Roma zerstört bolognas europa-traum in letzter sekunde
Der Olympico kocht. 72.000 Stimmen zerreißen Donnerstagnacht die Lautspreister, als Malen in der 93. Minute den Ball unter die Latte donnert – 2:1 für Roma, Viertelfinale der Europa League gebucht. Das Rückspiel gegen Bologna wird zum Krimi mit Schlusspunkt, den selbst Gewohnheitszuschauer noch Wochen später rekapitulieren.
Der angeblich sichere sieg, der fast ins wanken gerät
Alles schien gelaufen. Nach früher Führung durch Pellegrini kontrollierte die Roma das Tempo, spielte mit Bologna wie ein müder Matador mit seinem Stier – bis Bernardeschi in der 78. Minute einen halb abgefälschten Schlenzer versenkt und Rui Patricio nur noch hinschauen kann. 1:1, die Partie kippt, denn ein weiterer Treffer der Rossoblù hätte wegen des Away-Goals gereicht.
Gasperini wittert die gleiche Pleite wie zuletzt in der Serie A gegen Genoa und Como. Seine Bank zittert. Doch statt umzubauen, stellt er auf Dreierkette um, schickt Celik als zusätzlichen Flügelstürmer. Die Wette geht auf: Bologna kontert nicht mehr, weil Aebischer plötzlich doppelt besetzt ist und den Freiraum für Faszinatore-Paraden verliert.

Die zahlen, die italiano mit offenem mund stehen lassen
Die Statistik lügt nicht: Bologna gewann vier der letzten fünf Spiele, kassierte dabei nur zwei Gegentore. Doch im Olympico trifft Roma zum 39. Mal in 45 Heimspielen europäischer Wettkämpfe mindestens zweimal. 1,83 Euro lagen zum Spielbeginn auf dem Heimsieg – Quote, die nach dem 1:1 zwischenzeitlich auf 4,60 kletterte, bevor sie bei Abpfiff erneut einbrach. Wer live auf „Roma qualifiziert sich“ setzte, konnte sich über 1,40-faches Geld freuen; wer bis zur 90. Minute wartete, musste mit 1,05 Vorlieb nehmen.
Der Over 0,5 war so sicher wie ein Fels in der Brandung: Kein Buchmacher zahlte mehr als 1,07, weil beide Teams seit 23 Partien nicht mehr torlos blieben. Doch genau diese Niederung verwandelt sich kurzfristig in einen Berg, als Bologna nach dem Ausgleich auf Sieg spielt und Roma in die Schranken drängt. Die xG-Werte (1,9 zu 1,4) bestätigen, dass der Endstand nicht betrug, sondern Logik.

Was die tabellen noch nicht zeigen
Roma rückt vor, doch der Preis ist hoch. Soulé fehlt weiterhin, Dybala laboriert an der Wade, und El Shaarawy zieht sich eine Oberschenkelblessur zu. Für das Viertelfinale gegen Aston Villa oder Lille droht personeller Engpass. Dagegen hat Bologna gezeigt, dass der Italiano-Effekt kein Sommermärchen war: Vier Siege in Serie, Bernardeschi wieder in Dauerbestrahlung, Zirkzee als Störfaktor mit Ball und ohne.
Die UEFA-Kasse ist für beide Klubs ein Sechser im Lotto: Das Achtelfinale beschert Roma allein 2,4 Millionen Euro Prämie, Bologna kassierte trotz Aus 1,1 Millionen – Geld, das in Zeiten von Gehaltsobergrenzen und TV-Pool-Umverteilung die Planungssicherheit erhöht. Aber das weiß im euphorischen Moment niemand zu schätzen. Die Fans rufen nur: „Roma, Roma, Roma!“
Die Moral von der Geschicht’? Wer in der Europa League nur auf Taktik und Tabellen blickt, verpasst das Spektakel. Denn hier zählt nicht der Papierkrieg, sondern der letzte Schrei in der Nachspielzeit. Und den lieferte Malen – mit einem Linksschuss, der noch lange nachhallt.
