Reggio emilia rüttelt an der spitze: zweitplatzierte brescia fällt
Es ist Samstagabend, und die italienische Liga brennt. Reggio Emilia schlägt Brescia 101:92, versetzt Germani einen Schlag vor heimischem Publikum und schickt damit die Meisterfrage erneut ins offene Meer.
Der außenseiter zeigt den großen die grenzen auf
Die Zahlen lügen nicht: 13/25 jenseits des Bogens, sechs Spieler mit zweistelligen Punktzahlen, 6:0 Punkte-Sprint in den letzten 90 Sekunden. Coach Priftis hatte seine Truppe auf den Kurs „Spiel der kleinen Schritte“ eingestellt – und sie lief. Barford traf bei 90:86, Rossato stahl den Inbound-Pass, Caupain legte nach. 13 Punkte Vorsprung 70 Sekunden vor Schluss, das war nicht mehr zu retten für die Lombardei.
Miro Bilan lieferte mit 30 Punkten seine Saisonbestleistung ab, aber sein Center-Kollege Burnell verpasste fünf seiner letzten sechs Würfe. „Wenn du gegen Reggio spielst, darfst du keine Sekunde den Fokus verlieren“, sagte Brescia-Coach Recalcati nach der Partie. Genau das tat sein Team aber – und kassierte die zweite Heimniederlage gegen dieselbe Mannschaft.

Milano kollabiert in udine – venezia rutscht auf rang drei
Die Überraschung des Abends aber geschah 140 Kilometer nördlich. Udine feierte nach 50 Jahren wieder einen Heimsieg gegen Olimpia Milano, und das mit Dramatik: 86:83. Mannion war mit 19 Punkten zwar bester Milano-Schütze, doch allein seine 5/22 Dreier treffen zeigen, wie sehr das Euroleague-Pensum nagt. In den letzten fünf Minuten drehte Udine ein 77:69 in ein 86:81 – Christon erzielte neun der letzten elf Punkte seiner Mannschaft.
Die Folge: Milano verliert Platz drei an Venezia, die trotz eigener Pleite (106:87 in Trento) dank des besseren direkten Vergleichs vorbeizieht. Die Reyer-Defensive war beim 5/28 Dreier-Befund ebenso chancenlos wie beim 22-Punkte-Rückstand Mitte des dritten Viertels. Trento dagegen beendet eine 4-Niederlagen-Serie und rückt auf Rang acht vor – genau jene Position, die im Frühjahr zwischen Playoff-Traum und Saisonende entscheidet.

Cremona und sassari – hoffnung und verzweiflung im selben atemzug
Durham war der Mann des Abends in der 88:81-Sensation von Cremona gegen Napoli. 34 Punkte, darunter 12 in den letzten zehn Minuten, plus der entscheidende Offensiv-Rebound beim 85:81. Die Vanoli-Fans sangen nach Abpfiff „Playoffs, wir kommen“ – und das nicht zu Unrecht, denn die Serie-A-Neulinge liegen nur noch zwei Siege hinter Platz acht.
Ganz anders die Stimmung in Sassari. Dort schlug Treviso mit 108:103 zu – und das 60 Sekunden vor Schluss lag die Dinamo noch mit neun Punkten vorn. Dann folgte ein 13:2-Run, eingeleitet durch einen Own-Basket von Visconti und gekrönt von Macuras Dreier in letzter Sekunde. Die 2-Punkte-Führung von Cantù auf Treviso in der Abstiegszone schmilzt damit auf ein einziges Spiel. „Wenn du so einen Vorsprung verschenkst, darfst du dich nicht wundern, wenn die Saison plötzlich auf der Kippe steht“, sagte Sassaris Trainer Galbiati sichtlich mitgenommen.

Cantù schmettert trieste – und die tabelle bebt
Der 97:76-Kantersieg von Cantù gegen Trieste war statistisch ein Fest: 97 Zähler bedeuten die zweitbeste Offensivleistung der Saison, Green warf mit 20 Punkten seine persönliche Bestmarke, Ballo schrieb seine fünfte Double-Double (18 Punkte, 12 Rebounds). Doch die wahre Botschaft lautet: Cantù behält die zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz – und schickt Triese damit auf die Abstiegsstraße.
Robinson, 37-jähriger Ex-Nationalspieler, kam in den letzten 17 Minuten auf 4 Punkte und 5 Assists – ein kurioses Lebenszeichen, das beweist: In der italienischen Liga darf man nie nie sagen. Die Triester verloren bereits das vierte Auswärtsspiel in Serie und haben nur noch zwei Heimspiele, um den Rückstand auf die Rettung zu wenden.
Die Liga schläft nie. Nach diesem Samstag steht fest: Die Spitze ist verwundbar, der Abstiegskampf offener als je zuvor, und Reggio Emilia hat bewiesen, dass auch ein Budget-Team die Großen bluten lassen kann. Die nächste Runde ist bereits angesagt – und mit ihr die nächste Bombe.
