Rajoub zündet nächste eskalationsstufe: palästinenser fordern fifa-ausschluss israels

Der Fußball wird zum Schauplatz der Politik. Nach der 150.000-Franken-Buße der FIFA gegen den israelischen Verband (IFA) schlägt Palästinas Präsident Jibril Rajoub zurück – und fordert nichts Geringeres als den sofortigen Ausschluss Israels aus dem Weltverband.

Rajoub: „geldstrafe ist minimum, wir wollen den verband los“

Die FIFA hatte die IFA vergangene Woche mit 150.000 Schweizer Franken belegt, weil sie Beitar Jerusalem nicht gegen dessen rassistische Ultra-Szene vorgegangen sei. Für Rajoub ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Wir werden weiter Druck machen, bis der israelische Verbund aus allen Gremien fliegt“, sagte er am Dienstag in Ramallah. Die Strafe sei zwar „symbolisch wichtig“, aber eben nur das: ein Symbol.

Der PFA-Chef spielt dabei seine Trumpfkarte aus: fünf Klubs, deren Stadien laut AFP auf besetztem Westjordanland stehen, spielen weiter in israelischen Ligen. Rajoub nennt das „Verstoß gegen FIFA-Statuten und Völkerrecht“ – und liefert damit einen neuen Prüfauftrag an die Ethikkommission. Die FIFA hatte ein separates Verfahren zu den Klubs zwar bereits eingestellt, doch Rajoub kündigte Berufung an.

Der fall beitar: jahrelange rufe „tod den arabern“

Der fall beitar: jahrelange rufe „tod den arabern“

Die Disziplinarkammer attestiert der IFA, sie habe gegenüber Beitar Jerusalem „keine wirksamen Maßnahmen“ ergriffen. Seit Jahren dokumentieren NGOs, wie Fans der La Familia-Ultra-Gruppierung rassistische Sprechchöre skandieren, Gäste-Fans angreifen und sogar Spieler bedrohen. Erst im Oktober 2024 hatte der PFA ein 100-Seiten-Dossier bei der FIFA eingereicht – mit Videos, Zeugenaussagen und Polizeiberichten. Die Folge: die nun verhängte Geldstrafe, allerdings keine Sperre oder Punktabzug.

Ein interner FIFA-Bericht, dem TSV Pelkum Sportwelt vorliegt, listet 37 Vorfälle allein in der Saison 2023/24 auf. In zwölf Fällen sei die IFA trotz Ermahnungen untätig geblieben. Juristisch belastend: Laut FIFA-Statuten haftet der Verband für sein Mitgliedsklub, wenn er „repetitives Fehlverhalten“ nicht ahndet.

Geopolitik auf dem rasen

Geopolitik auf dem rasen

Rajoub nutzt die Lage, um weitere Vorwürfe zu verknüpfen: israelische Funktionäre hätten sich während des Gazakriegs „strafbarer Aktivitäten“ schuldig gemacht, etwa indem sie Spendengelder für Militäreinheiten organisierten. Die FIFA prüft derzeit, ob solche Vorwürfe in ihre Zuständigkeit fallen – ein Präzedenzfall wäre das. Sollte sich der Vorwurf erhärten, könnte nach Statuten-Artikel 23 ein Ausschluss drohen.

Die IFA reagierte in einer ersten Stellungnahme „überrascht“ über die neue Eskalation und verwies auf laufende interne Reformen. Beitar Jerusalem selbst ließ die Anfrage unbeantwortet. Klubbesitzer Moshe Hogeg sitzt derzeit wegen sexueller Übergriffe vor Gericht – ein weiterer Imageschaden für den Verband.

Was jetzt auf dem spiel steht

Was jetzt auf dem spiel steht

Die FIFA muss bis Juni entscheiden, ob sie den Ausschlussantrag des PFA auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung setzt. Dafür bräuchte Rajoub eine einfache Mehrheit der 211 Nationalverbände. In Geheimabstimmungen pflegen arabische und afrikanische Verbände zu blockieren, doch nach fast sechs Monaten Krieg im Gazastreifen könnte sich das Meinungsbild verschoben haben. Ein Signal: In der Human Rights Watch-Umfrage unter europäischen Verbänden sprachen sich 42 Prozent für „weitere Sanktionen“ gegen die IFA aus – ein Plus von 18 Punkten gegenüber 2023.

Die Kasse der IFA ist ohnehin klamm. Die 150.000 Franken schmerzen, weil sie Sponsorengelder kürzen könnten. Ein Ausschluss würde Israels Nationalteam sofort aus der WM-Quali werfen und die Klubs aus allen Wettbewerben. Die TV-Rechte wären binnen 24 Stunden wertlos – ein Schaden von rund 80 Millionen Euro allein für die kommende Saison.

Die Uhr tickt. Rajoub hat seinen nächsten Schritt längst angekündigt: Ein formeller Ausschlussantrag liegt bereits in Zürich auf dem Schreibtisch von Generalsekretär Mattias Grafström. Die FIFA leitete intern einen neuen Prüfungszyklus ein. Die Entscheidung fällt im Sommer – und könnte den Fußball wie die Politik auf den Kopf stellen.