Schwaig schockt bayernliga: aufsteiger spielt sich in sicherheit – ascher jagt die 20-tore-marke

Die Sportfreunde Schwaig sind kein Störfaktor, sie sind ein Gewürz. Drei Lagen über dem bayerischen Fußball-Keller spuckt der Aufsteiger Tore aus wie eine Maschine, die erst warm läuft. 15-mal traf Raffael Ascher, 29, einst noch Kreisliga-Torjäger, heute Angstgegner der Spitzenklubs. Die Bayernliga Süd zuckt zusammen, wenn der Stürmer den Ball auf die Sohle nimmt.

Aschers warnschuss: vom kreisliga-helden zum liga-topscorer

Seine Zahlen sind kein Zufall. 92 Treffer in drei Landesliga-Saisons, jetzt 15 Tore nach 17 Spieltagen – Ascher schießt sich in die Köpfe der Gegner hinein. „Er trifft, weil er sich nie versteckt“, sagt Trainer Christian „Wiggerl“ Donbeck, 54, der seit zwölf Jahren an der Linie steht und den Aufstieg von der B-Klasse bis in die fünfte Liga mitmachte. „Raffael ist unser Kompass. Wenn er läuft, wissen die anderen, wo’s langgeht.“

Doch hinter dem Torreigen steckt ein System. Donbeck verlangt vertikale Angriffe, weniger Dribbling, mehr Zielstrebigkeit. Die Mannschaft übt seit November, wie man Bälle in die Schnittstelle spielt, ohne den Gegner zu berühren. Die Folge: 27 Tore, Platz 9, nur drei Punkte hinter dem ersten Nicht-Abstiegsrang. Die Defensive kassierte zuletzt nur noch ein Gegentor in vier Spielen – nach der 1:5-Pleite in Kirchanschöring ein bewusstes Umschalten.

Auswärtsfluch und personalmisere: donbeck stemmt sich gegen krisenstimmung

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Die Kehrseite: acht Auswärtsniederlagen in Folge, kein Sieg seit dem 3:2 in Kornell-Machern am 13. September. Die Pleiten in Pipinsried, Deisenhofen, Erlbach und Kirchanschöring schmerzen, weil sie vermeidbar waren. „Wir schenken Tore wie Gutscheine aus“, sagt Donbeck und schlägt mit der flachen Hand auf die Taktiktafel. „Ein Fehlpass, ein verschlafener Zweikampf – und die Liga bestraft sofort.“

Die Personaldecke wird dünn. Fünf Leistungsträger fehlen mit Muskelbündelrissen, Syndesmosespangen und Knorpelirritationen. Hannes Empl, der linke Verteidiger, fällt bis April aus. Leon Roth, Mittelfeldstratege, laboriert an einer Patellasehnenentzündung. „Wir rotieren mit 14 Feldspielern, das reicht für ein Trainingsspiel, aber nicht für eine Saison“, sagt Co-Trainer Martin Böck, der die Laufwege per GPS-Uhr misst. Die Daten zeigen: Schwaig legt 3,2 Kilometer mehr zurück als der Ligadurchschnitt – ein Kraftakt, der sich aber nicht in Punkten niederschlägt.

Heimspiel gegen kottern: das 3. märz-duell wird zur vorentscheidung

Heimspiel gegen kottern: das 3. märz-duell wird zur vorentscheidung

Am 3. März empfangen die Sportfreunde den TSV Kottern, Tabellen-14. und direkter Konkurrent. Ein Sieg würde den Vorsprung auf zwölf Punkte erhöhen, bei noch sieben Spielen. Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Schwaig, ist der Klassenerhalt rechnerisch fix. „Wir spielen zu Hause wie verwandelt“, sagt Torwart Felix Thiel, 27, der mit 2,86 Paraden pro Spiel zurzeit die Nummer eins der Liga ist. „Unsere Fans singen 90 Minuten lang, das trägt. Draußen fehlt uns manchmal das letzte Prozent.“

Donbeck will die Partie als Lehrstück. Die Mannschaft trainiert seit Montag, wie man Pressing in der gegnerischen Hälfte beginnt, ohne die Mittellinie zu verlassen. Die Übung heißt „Kottern-Modus“: Ballgewinn, Direktspiel, Tor. Ascher steht dabei immer an der zweiten Stange, bereit, den Abpraller zu versenken. „Wenn wir vorlegen, kriegen wir Kottern nie mehr aufgebogen“, prophezeit der Trainer. Die Statistik gibt ihm recht: Schwaig ging in acht Heimspielen nur zweimal in Rückstand, holte daraus noch vier Punkte.

Die Liga rechnet bereits mit Schwaig als Dauergast. Geschäftsführer Thomas Eibner kündigte an, die Kapazität der Walter-Behr-Sportanlage von 2.400 auf 3.000 Plätze zu erhöhen. „Die Nachfrage explodiert“, sagt er. „Wir haben 400 Dauerkarten verkauft, vor fünf Jahren waren es 80.“ Der Aufstieg beschert dem Verein 350.000 Euro Extraetat – Geld, das in Kunstrasen und Jugendtrainer fließt. Schwaig wird zur kleinen Großstadt im Amateurfußball.

Donbeck bleibt trotzdem auf Zack. Er schickt seinen Spielern Clips von Union Berlin, wie sich eine Underdog-Mannschaft in der Bundesliga erhalten hat. „Wir sind nicht Union, aber wir können lernen, wie man mit wenig Ballbesitz Punkte klaut“, sagt er. Die Botschaft: bleiben, beißen, belohnen. Am 3. März wird sich zeigen, ob die Lektion sitzt. Dann steht Ascher wieder an der Strafraumgrenze, bereit, die 16. Saisonbremse zu zünden. Die Bayernliga wartet schon – und sie hat Angst bekommen.