Pleiß-aus kurz vor playoffs: vechtas saison droht zu kippen
Die TSV Vechta schwankt. Gerade, als die Hauptrunde in die heiße Phase rutscht, reißt das Kreuzband von Tibor Pleiß – und mit ihm der sechs Wochen lange Fels in der Brandung der Niedersachsen.
Innenbandriss rechts: die stunde, die alles veränderte
Es war die 29. Minute gegen Ludwigsburg. Pleiß wollte nach einem Pick-and-Roll zurückrotieren, sah den Passflug, startete, blockte – und blieb liegen. Kein Kreischen, nur ein dumpfer Knall, als hätte jemand einen dicken Gummiball platzen lassen. Am Samstag kam die Diagnose: Innenbandriss rechts, sechs Wochen Pause. Für Vechta bedeutet das: fünf Spiele ohne den 2,13-Meter-Mann, die letzten fünfeinhalb Prozent Saison.
Trainer Thomas Päch sprach von „einem Riss quer durch die Mannschaftsseele“. Denn Pleiß war mehr als Statistik: 11,3 Punkte, 5,0 Rebounds, 1,8 Blocks – das ist die Excel-Tabelle. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ohne ihn verliert Vechta 14 % der Defensiv-Rebounds, die Gegner treffen 6 % besser aus dem Paint, und die Ballscreens wirken plötzlich wie Pappkulissen. Die Chemie sitzt im Knie des Centers.
Die Timeline ist gnadenhaft. Bis zur Play-off-Grenze sind es nur noch 18 Tage. Rechnet man die Minimal-Heilzeit von 42 Tagen runter, käme Pleiß frühestens im Halbfinale zurück – sofern Vechta überhaupt noch dabei ist. Derzeit liegt das Team auf Platz sieben, zwei Siege vor Platz elf. Jeder weitere Fehltritt kann die Tür zur Post-Season ins Schloss fallen lassen.

Was vechta jetzt umbauen muss
Päch muss innerhalb von 72 Stunden umdenken. Er wird wohl Terrell Harris stärker auf Position vier hochziehen, damit Nick Weiler-Babb als Secondary-Scorer mehr Balllast trägt. Die Frage ist: Wer setzt die harten Screens? Wer versteckt den Gegenspieler im Low Post, sodass die Weak-Side-Helfer nicht ständig zusprinten müssen? Pleiß’ Ersatzmann Jonas Grof ist ein Energieträger, aber 15 cm kleiner. Gegen Chemnitz wird Vechta deshalb öfter in eine 2-3-Zone umschalten – ein System, das sie diese Saison erst 37 Possessions gespielt haben.
Die Stimmung in der Halle wird trotzdem kochen. 3.400 Fans haben bereits Tickets für Samstag, trotz des Schocks. Weil sie wissen: Wenn Vechta jetzt trotzdem gewinnt, liefert das eine mentale Play-off-Vorschau. Verliert die Mannschaft jedoch, rutscht sie auf Platz zehn – und plötzlich ist die Saison kein Aufbruch mehr, sondern ein Abstieg.
Pleiß selbst saß gestern noch im Trainingslager, das rechte Knie in einer flexiblen Schiene. „Ich werde jeden einzelnen auf dem Bench anfeuern, als wäre ich auf dem Parkett“, sagte er. Die Worte klangen nach Abschiedsvorstellung – und nach Verheißung. Denn wenn Vechta diese Woche überlebt, könnte der Center zurückkehren, gerade rechtzeitig für das, was alle in Vechta seit drei Jahren herbeisehnen: das erste Play-off-Finale seit 2019. Die Uhr tickt. Das Knie heilt. Und die Liga schaut aufs Doppelfeld im Emsland, wo nun jeder Tag wie ein kleines Finale zählt.
