Pogacar krönt sich trotz sturz zum könig von sanremo – und kündigt rückzug an
298 Kilometer, ein Fliegengitter-Crash kurz vor der Cipressa, vier Zentimeter Vorsprung – und danach die Bombe: Tadej Pogacar gewinnt Mailand-Sanremo, sagt aber seinen Gegnern beim Zieleinlauf ins Ohr: „Ich komme nicht wieder.“
Der sturz, der keinen sieg verhinderte
Im Aufgalopp zum ersten Anstieg rutschte die Weltnummer eins in Imperia über eine Leitplanke, knallte aufs Knie, hielt sich aber mit einer Hand am Lenker. „Ich dachte, es ist vorbei“, sagte Pogacar im Flash-Interview. Sekunden später jagten seine domestiques Florian Vermeersch und Felix Großschartner wie Raketen zurück, schleppten ihren Captain vor die Felder. „Die haben mir die Hoffnung zurückgegeben“, so der Slowene. Auf der Poggio spürte er, dass die Beine brennen, aber auch, dass niemand mehr ziehen konnte. Attacke, Blick zurück, noch eine Attacke – 4,2 km vor dem Ziel war die Entscheidung gefallen.
Hinter ihm nagte Tom Pidcock die Kette leer. Vier Zentimeter fehlten auf der Ziellinie. „Tut weh, so nah dran zu sein“, sagte der Brite und schüttelte den Kopf. „Wenn er alleine fährt, bin ich glücklich. Aber so…“ Dann lachte er bitter und zitierte Pogacar: „Er meinte, er wird Mailand-Sanremo künftig streichen. Hinter wen soll ich mich dann noch hängen?“

Van aert rettet podest trotz materialchaos
Wout van Aert kam als Dritter ins Ziel, vier Sekunden zurück. Der Belgier hatte nicht nur den Sturz mitansehen müssen, sondern auch noch ein defektes Rad. „Erst der Crash, dann ewig kein Ersatzbike“, sagte er. „Erst auf den letzten zwei Kilometern merkte ich, dass wir noch um’s Podest fahren. Darum fühlt sich Rang drei wie ein Sieg an.“
Mads Pedersen fehlte als Vierter ein einziger Bike-Länge zum Podest – ein Rennen nach 259 Tagen Verletzungspause. „Unerwartet, schade, aber okay“, kommentierte der Däne lapidar.

Was pogacars rückzugs-ankündigung bedeutet
Die Aussage des 27-Jährigen sorgt für Erdbeben im Fahrplan der kommenden Jahre. Mailand-Sanremo war das einzige Monument, das ihm noch fehlte. „Ich habe es, also warum zurückkommen?“, fragte er rhetorisch. Teammanager Mauro Gianetti atmete tief durch: „365 Tage warten, dann gewinnen – und jetzt das. Ich muss die Nachricht erst verarbeiten.“
Die Statistik spricht trotzdem für sich: Seit 1907 haben 1.149 Fahrer das Rennen bestritten, nur 76 konnten je gewinnen. Pogacar steht nun mit Eddy Merckx, Fausto Coppi und Costante Girardengo in einem Atemzug – und verabschiedet sich auf der Höhe.
Die 117. Ausgabe von Mailand-Sanremo lieferte das, was die Classicissima verspricht: Drama, Herzklopfen, Tränen. Und eine Ansage, die das Peloton 2027 neu ordnen wird.
