Pavlovic-ausfall beim fc bayern: jetzt droht auch das dfb-debüt zu platzen
Aleksandar Pavlovic steht vor seinem möglichen Durchbruch – und sieht sich mit einem Körper konfrontiert, der Nein sagt. Die Hüfte des 22-Jährigen zieht sich zurück, die Nationalmannschaft wartet, und plötzlich wird eine Frage laut: Wie viel Leistung darf ein Mittelfeld-Motor noch abliefern, bevor er sich selbst verliert?
Bayern zieht die notbremse
Am Samstag fehlte Pavlovic beim 4:0 gegen Union Berlin, am Dienstag sollte er in Basel das erste Länderspiel tragen. Sportdirektor Christoph Freund spricht nach dem Spiel von „einem Gespräch mit dem DFB“, klingt dabei aber wie ein Mann, der schon die Absage vorbereitet. „Er hat sehr viel gespielt und heute über Beschwerden geklagt“, sagt Freund. Die Botschaft: Lieber ein Spieler zu viel schonen als eine Karriere riskieren.
Die Zahler sprechen für sich: 2.421 Minuten in dieser Saison, zwölfmal über 90 Minuten in Folge, nur einmal ausgewechselt – und das auch nur, weil gegen Atalanta die Oberschenkelmuskulatur zwickte. Nagelsmann hatte ihn trotzdem nominiert, weil Pavlovic seine Ruhe mit dem Ball selten in diesem Alter zeigt. Jetzt droht das Debüt erneut zu platzen.

Die nagelsmann-paradoxie
Der Bundestrainer baut auf frische Beine, um seine Idee von Gegenpressing und Positionswechseln zu verankern. Doch genau diese Spielweise hat Pavlovic in München zum unverzichtbaren Sechser gemacht – und gleichzeitig an die Grenze gebracht. Ein Dilemma: Ohne Einsatzminuten keine Erfahrung, mit zu vielen Minuten kein Körper.
Freund betont, man wolle „nichts aufs Spiel setzen“. Gemeint ist: keine Muskelfasern, keine Bandscheiben, keine Zukunft. Die medizinische Abteilung hat laut interner Informationen eine Belastungsampel auf Rot geschaltet. Pavlovic selbst schwieg nach dem Spiel, sein Blick beim Verlassen der Kabine war der eines Mannes, der weiß: Die Uhr tickt nicht nur für den Gegner, sondern auch für ihn.
Für den FC Bayern steht am Wochenende das Topspiel in Leverkusen an. Kompensieren will Vincent Kompany mit Konrad Laimer und Leon Goretzka, doch der österreichische Ballgewinner fehlt ebenfalls angeschlagen. Die Rotation wird zur Zitterpartie.

Der preis der dauerpräsenz
Pavlovic’ Entwicklung ist ein Lehrstück über moderne Fußballökonomie: Clubs fordern Verfügbarkeit, Nationalteams wollen Identifikation, Spieler kriegen Schmerzen. Die Hüfte ist nur das Symptom. Ursache ist ein Kalender, der keine Atempause kennt. Wer in München aufsteht, spielt drei Tage später in der Champions League, sieben Tage danach in der Bundesliga, danach in der Nations League – und irgendwann bleibt nur noch der Physiotherapeut als einziger Gesprächspartner.
Die Entscheidung fällt am Montagvormittag. Dann sitzen Pavlovic, Freund und Teamarzt Dr. Roland Schmidt zusammen. Es geht um Millimeter in der MRT-Auswertung, um Tage der Regeneration, um die Frage, ob ein mögliches WM-Jahr mit 23 oder mit 25 Jahren beginnt. Die Antwort wird nicht lauten: „Wir probieren es.“ Sie wird lauten: Ja – oder Nein.
Sollte das Nein kommen, bleibt ein Trost: Ein echter Sechser lernt, dass manchmal das beste Passen der ist, den man nicht spielt. Pavlovic wird zurückkommen – nur eben nicht diese Woche. Und vielleicht ist das das größte Talent, das ein 22-Jähriger mitbringen kann: Geduld, bevor der Körper sie ihm aufzwingt.
