Pidcock wirft das handtuch: pogacars solo lässt die konkurrenz verzweifeln

Tom Pidcock stieg ab, schaute zu Boden und sprach das aus, was alle dachten: »Es hat keinen Spaß gemacht.« Drei Jahre nach seinem Triumph bei der Strade Bianche musste der Brite als Siebter 4:47 Minuten nach Tadej Pogacar ins Ziel rollen – und klang dabei, als hätte er gerade seine Lust aufs Radfahren verloren.

Pogacars vorstellung lässt weltklassefahrer kapitulieren

Der Slowene setzte auf Sektor 7, Monte Sante Marie, zum dritten Mal in Folge das Turbo-Modus-Template: Weg von der Gruppe, weg von der Realität. Dahinter: nichts. Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) hielt noch ein paar Kilometer mit, dann war auch er nur noch Statist. Pidcock? Zweimal Kette runter, Restmoral im Keller. »Ich hätte mit Tadej sowieso nicht mithalten können«, sagt er laut, und es klingt wie ein Eingeständnis der ganzen Saison.

UAE-Team Emirates fuhr die Konkurrenz schon auf den ersten Schotterpisten kaputt. Jan Christen legte das Tempo so hoch, dass selbst Power-Daten aus dem Peloton kurz ins Leere liefen. Was folgte, war kein Rennen mehr, sondern eine Demonstration. Pogacar spulte 46,3 km/h auf den ruppigen Weißwegen, als wären es Holprigkeits-Übungsplätze. Die Gegenwehr: ein Fahrverbot für Zweifel.

Die neue kategorie heißt „best of the rest“

Die neue kategorie heißt „best of the rest“

Pidcock ist kein Jammerlappen. Olympiasiegel im Gelände, Sieg in Flandern, in Roubaix gefährlich. Doch selbst er wischt die Saison-Hoffnung beiseite: »Wenn UAE so fährt, kann man nicht viel dagegen unternehmen.« Die Worte wirken wie ein interner Bericht aus dem Feld: Gegner erledigt, Moral im Minusbereich. Für die Fans wird der Frühling zur Geduldsprobe. Mailand-Sanremo, die Ronde, Roubaix – alles Live, alles gegen einen Ein-Mann-Orchester.

Die Cijfer: Pogacar gewann mit 3:02 Minuten Vorsprung. Letztes Jahr waren es 2:40. Die Tendenz: steil nach oben, für alle anderen steil nach unten. Sportlich wie psychologisch.

Die Konsequenz: In den Fahrerlager-Kreisen spricht man schon offen vom „Pogacar-Koeffizienten“ – einer Zahl, die angibt, wie viele Sekunden Vorsprung nötig sind, um nicht gleich resigniert in die Bus zu steigen. Pidcocks Reaktion war ehrlicher als jedes Power-Barometer. »So läuft das Rennen jetzt eben«, sagt er und klingt dabei, als würde er sich selber beruhigen wollen.

Die Saison ist jung, die Niedergeschlagenheit alt. Solange Pogacar fit bleibt, bleibt der Rest auf der Strecke – und die Trophäen schon mit seinem Namen graviert.