Philipsen zerreißt das flandern-spielfeld – ghent-wevelgem wird zum belgen-duell
Jasper Philipsen hat sich in Wevelgem endgültig aus dem Schatten der Superstars befreit. 240,8 Kilometer, neun Hellinge, ein Peloton voller Kannibalen – und am Ende stand der 25-Jährige von Alpecin-Deceuninck allein oben auf dem Podest. Die 88. Gent-Wevelgem wurde zur Belgen-Offensive: Erst riss Mathieu van der Poel das Feld auseinander, dann landete der erste belgische Sieg seit 2016.
Van der poels attacke war ein warnschuss für van aert
Der Kern der Dramatik lag auf dem Kemmelberg. Van der Poel schaltete auf der Belvedère-Seite in den Kampfmodus, nur Wout van Aert und Tibor Del Grosso hielten mit. Doch der Niederländer schlug erneut zu – diesmal auf der Ossuaire-Rampe. Van Aert klebte an seinem Hinterrad wie ein Sticker, Florian Vermeersch hingegen riss die Kette. Die Lücke: zehn Sekunden, dann fünfzehn. Doch die Jagd war längst gestartet.
UAE schickte Segaert vor, Lotto-Dstny zündete die Rakete, und 10 Kilometer vor dem Ziel schluckte das Feld die Flüchtlinge wieder. Wer dachte, dass sich die Sprinter bereits die Schuhe schnürten, irrte: Auf der flachen Zielgeraden war Philipsen der Schnellste – und das, obwohl er in den Flandrien-Klassikern bisher nur Nebenrollen spielte. Die Zahl, die er selbst kaum glauben konnte: 74 km/h Topspeed in der Endphase.

Der countdown zum ronde ist eröffnet
Philipsen selbst nannte den Sieg „meine Antwort an alle, die behaupten, ich sei nur ein reiner Sprint-Tourist“. Die Aussage trifft es exakt: Mit der Kombination aus Endgeschwindigkeit und Überleben auf den Hellingen hat er sich in die enge Favoritenriege für den Tour de Flandes am Sonntag katapultiert. Van der Poel wird mit einem Grinsen abrechnen: „Wenn ich so fahre wie heute, braucht sich niemand zu wundern“, sagte er – und meinte damit wohl auch seinen ewigen Rivalen Van Aert.
Die Frage bleibt, ob die flämischen Fans jetzt jubeln oder zittern. Denn wer Gent-Wevelgem gewinnt, verliert selten die Nerven eine Woche später. Philipsen hat die Visitenkarte abgegeben. Die 88. Ausgabe der Kult-Classic ist Geschichte – und die 105. Rund um Flandern steht bereits in den Startlöchern. Die Saison der Monumente wird brutal, und Belgien hat seinen neuen Helden.
