Paris-roubaix 2026: van der poel jagt den rekord und die frauen starten endlich gleichzeitig
Am 12. April kracht es auf den Kopfsteinpflastern des Nordens – und diesmal nicht nur einmal. Zum ersten Mal in der Geschichte von Paris-Roubaix starten Männer und Frauen am selben Tag. Für Mathieu van der Poel geht es dabei um mehr als nur einen Sieg: Er kann mit dem vierten Triumph in Folge in die ewige Bestenliste einziehen.
Die hölle des nordens wird zur doppelhölle
Früher hieß es: Erst die Männer, dann die Frauen – oder gar nicht. 2026 ist Schluss mit der Chronologie der Ungleichheit. Um 10.50 Uhr rollt das Herrenfeld in Compiègne los, um 14.35 Uhr folgen die Frauen in Denain. Beide Rennen enden im Velodrom von Roubaix – mit 258,3 km und 30 Pflastersektoren für die Männer, 144 km und 20 Pflastersektoren für die Frauen. Die letzten 17 Pavé-Abschnitte sind identisch. Wer vor dem Wald von Arenberg noch Luft holt, wird dort zerquetscht.
Die Organisatoren haben die ersten vier Sektoren dicht an dicht gelegt – ein Schlag ins Gesicht nach gerade einmal 100 Kilometern. Danach folgt ein 800-Meter-Anstieg, der kaum jemand auf dem Zettel hat. Die Kombination zwingt zur Frühauslese. Wer hier zögert, fliegt raus. Wer zu frisch ist, verpulvert sich. Die Balance ist alles.

Van der poel gegen die geschichte – und gegen pogacar
Mathieu van der Poel hat dieses Rennen längst domestiziert. Dreimal gewann er zuletzt, 2024 und 2025 mit einer Souveränität, die an Eddy Merckx erinnert. Nun liegt der vierte Triumph in Reichweite – das würde ihn mit den Belgiern Roger de Vlaeminck und Tom Boonen auf gleiche Augenhöhe heben. Doch diesmal ist Tadej Pogacar nicht mehr der Neuling, der sich 2025 mit einem Sturz selbst aus dem Rennen nahm. Der Slowene will Revanche – und er kann auf Nils Politt zählen, der als Letzter Deutscher 2019 das Podest küsste. Politt wird sich opfern, das ist klar. Ob das reicht, ist offen.
Jasper Philipsen, Mads Pedersen, Wout van Aert – das Who-is-Who der Klassikerspezialisten reist an. Doch alle wissen: Wer in Roubaix gewinnt, muss nicht der Stärkste sein, sondern der Klügste. Und der, dem das Pflaster gnädig ist.

Die frauen: keine ferrand-prévot, dafür kopecky und wiebes
Pauline Ferrand-Prévot feiert nicht mit. Die Französin, die 2026 überraschend gewann, verzichtet. Das Feld ist offen wie selten. Lotte Kopecky, die Belgierin mit dem Sprint eines Mannes und dem Blick einer Taktikerin, will ihren Titel von 2024 zurück. Lorena Wiebes, die niederländische Sprintkanone, bewies 2026, dass sie nicht nur auf Asphalt schnell ist. Und Elisa Longo Borghini? Die Italienerin kennt sich aus. Sie gewann 2022, wurde 2021 Dritte. Wer hier attackiert, muss wissen, wann. Die letzten 30 Kilometer sind ein Poker mit offenen Karten.

Der pflasterstein als trophäe – und als mahnmal
Der Gewinner bekommt kein Gold, sondern einen echten Pflasterstein. 12 Kilo schwer, auf einen Sockel geschraubt, ein Ungetüm. Pauline Ferrand-Prévot stemmte ihn 2025 mit Mühe hoch – ein Symbol für das, was dieses Rennen ist: schwer, rau, echt. Wer diesen Stein nach Hause trägt, hat nicht nur gewonnen. Er hat überlebt.
Am 12. April werden zwei Geschichten geschrieben – und beide enden im selben Velodrom. Die eine mit Rekord, die andere mit Geschichte. Die Hölle des Nordens wartet. Und sie ist diesmal doppelt so groß.
