Selina grotian packt aus: corona, tränen, olympia-krach – das jahr, das sie fast zerbrach
Es war keine Saison, es war ein Kraftakt. Selina Grotian spricht erstmals offen über das Corona-Desaster nach Östersund, die Wochen voller Angst und die Tränen nach Olympia-Platz 41. Ihr Fazit: „Ich habe einfach nicht mehr an mich geglaubt.“
Die infizierte auftakt-angst
Als die 22-Jährige nach dem Weltcup-Auftakt positiv testete, brach ihre Welt zusammen. „Die Angst, zu früh wieder zu trainieren und meine Lunge zu ruinieren, saß tiefer als jeder Gegner“, sagt sie. Die Folge: fünf Wochen Zwangspause, verlorene Wettkampfhärte, ein Selbstvertrauen, das wie Pulverschnee schmolz.
Im Dezember warf sie sich trotzdem ins Rennen, qualifizierte sich mit letzter Kraft für Peking. „Kindheitstraum erfüllt“ – das klingt auf Instagram likefest, hinter den Kulissen nagte der Zweifel. Antholz wurde zur Farce: 41. Platz in der Verfolgung, kein einziges Top-30-Ergebnis. „Ich habe mich im Ziel wie ein Betrüger gefühlt – als hätte ich mein Team hereingelegt.“

Kontiolahti und oslo: späte befreiung
Dann der versöhnliche Saisonendspurt. In Finnland knackt sie zweimal die Top-20, im Oslo-Holmenkollen sprintet sie als 14. ins Ziel – ihr bestes Resultat seit zwei Jahren. „Plötzlich spürte ich wieder diesen alten Kampfgeist, als hätte sich mein Körper endlich entschuldigt.“
Doch der Preis war hoch. Die letzten Rennen kosteten sie „jede letzte Körnergie“, wie sie sagt. Nächste Woche geht’s ins Höhentrainingslager – diesmal ohne Corona, aber mit der Gewissheit: „Eine Saison kann dich lehren, dass Sport mehr ist als Medaillen. Manchmal ist Überleben der größte Sieg.“
