Onnen bleibt in torun hängen – mahutschich fliegt auf 2,01 m

Imke Onnen kam, sah – und verpasste. Die Kölnerin riss bei der Hallen-WM in Torun 1,89 m, blieb damit zwei Zähler unter ihrer Saisonbestmarz und landete auf Rang acht. Zwei Stunden später stand Weltrekordlerin Jaroslava Mahutschich schon wieder auf der obersten Stufe des Podests, Gold um den Hals, Blick Richtung Decke: 2,01 m, kein Gegnerin kam ihr näher als 2 cm.

Silber gibt’s diesmal zum dritteln

Die Ukraine dominierte die Szenerie doppelt: Neben Mahutschich schaffte Julia Levchenko ebenfalls 1,99 m und durfte sich über eine der drei Silbermedaillen freuen. Regelwerk-Twist: Gleiche Höhe, gleiche Fehlversuche – also wird die Ware einfach aufgeteilt. Nicola Olyslagers und Angelina Topic komplettierten das Silber-Trio. Bronze? Fehlanzeige. Die restlichen Konkurrentinnen schlichen bereits bei 1,93 m oder darunter ab, Onnen mit 1,89 m und drei Fehlern bei 1,93 m.

Die 31-Jährige hatte sich mehr ausgerechnet. 1,93 m wäre im Training keine Magie, im Wettkampf aber ein mentaler Berg. „Ich habe die Latte einfach nicht mitgenommen“, sagte sie mit schwerem Atem, „die Beine waren leer, der Kopf wollte, der Körper nicht.“ Die Saisonbestleistung von 1,93 m hätte für Platz fünf gereicht – ein kleiner Trost, der in der Nacht verpufft.

Mahutschich jagt die 2,06 m – und scheitert glorreich

Mahutschich jagt die 2,06 m – und scheitert glorreich

Die 24-jährige Ukrainerin wiederum lief zur Höchstform auf. Bis 2,01 Metersprung alles im ersten Versuch, dann dreimal 2,06 m – Weltrekordhöhe. Drei Abstürzer, kein Drama. „Ich wollte es wissen, der Rekord lebt“, sagte sie lächelnd, „nächstes Mal klappt’s.“ Die Arena tobte, selbst die polnischen Ordner klatschten. Mahutschich ist längst ein Phänomen: 2,10 m outdoor, 2,06 m indoor – und trotzdem noch hungrig.

Für das deutsche Team bleibt die Bilanz nach Tag eins dünn. 14 Athleten sind nach Torun gereist, doch die Großkaliber fehlen. Malaika Mihambo schont die Sprunggelenke, Friedrich-Wilhelm-Langhammer-Verzicht wegen der Sommervorbereitung. Die Devise lautet: Risiko minimieren, Medaillen im Sommer holen. Onnen wird nun in Karlsruhe trainieren, die Hallensaison ist für sie Geschichte. „Der Fokus liegt auf dem Sommer, da will ich wieder 1,95 m plus“, sagt sie. Ein Satz, der wie ein Versprechen klingt – und wie ein Seufzer.