Odermatt krönt sich in courchevel – kriechmayr stoppt rot-weiß-rot-trockenheit

Es war der Tag, auf den Marco Odermatt die ganze Saison hingearbeitet hat. Ein einziger Lauf, 3,3 Kilometer Eis und Adrenalin – und alles war klar. Mit Rang drei in Courchevel sicherte sich der Schweizer schon vor dem Finale die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. Die große ist ohnehin längst sein Eigentum – das fünfte Mal in Folge.

Kriechmayr schlägt zurück

Doch der Triumph bekam einen österreichischen Beigeschmack. Vincent Kriechmayr, 34 Jahre alt und kurz vor der Entscheidung über Karriereende, rauschte mit Startnummer 15 in die Kurve, ließ 0,09 Sekunden Vorsprung auf Giovanni Franzoni und stoppte eine 1.095-tägige Durststrecke für die Alpenrepublik. Sein 20. Weltcup-Sieg, der erste in der Abfahrt seit Kitzbühel 2023. „Wir werden sehen“, sagt er knapp über seine Zukunft – und lächelt dabei, als hätte er gerade dem Zeitplan seine Meinung gesagt.

Franjo van Allmen, Odermatts letzter ernsthafter Gegner im Kampf um die Kugel, flog bei Kilometer 2,8 aus der Linie, rutschte ins Fangnetz und war Geschichte. 175 Punkte Vorsprung vor dem Rennen – danach 305. Die Rechnung ist einfach: Es reicht ein Mittelfeldplatz beim Finale in Norwegen, und Odermatt zieht mit Pirmin Zurbriggen gleich. Fünf Gesamtweltcups in Serie, das hatte zuvor nur der legendäre Österreicher Stephan Eberharter geschafft.

Die schweizer dominanz bröckelt

Die schweizer dominanz bröckelt

Die Abfahrtswertung ist trotzdem noch offen – theoretisch. Odermatt führt mit 178 Punkten vor Franzoni, doch der Italiener müsste in Kvitfjell gewinnen und Odermatt außerhalb der Top-15 landen lassen. Die Wahrscheinlichkeit entspricht einer Schneekugel in der Wüste. Fakt ist: Zum ersten Mal seit drei Jahren steht kein Schweizer auf dem obersten Treppchen. Kriechmayr nahm es persönlich.

Die Uhr stoppte bei 1:32,84 Minuten. Die Sonne brach gerade durch die Wolkendecke über der Belle Époque-Piste, als Kriechmayr über die Ziellinie donnerte. Die österreichische Fahne wehte hinter ihm, und für einen Moment war die Frage nach der Zukunft vergessen. 20 Siege, 12 Jahre Weltcup, ein Olympia-Gold – man kann aufhören, wenn man will. Oder eben nicht.

Am Samstag geht’s nach Kvitfjell, wo die letzte Abfahrt der Saison die endgültigen Punkte verteilt. Odermatt wird dort nicht mehr angreifen müssen, nur noch rechnen. Und Kriechmayr? Vielleicht fährt er einfach noch einmal so schnell, dass die Entscheidung sich von selbst macht.