Eberl: vom boycott-schwein zum gefeierten architekten?

München – Kaum jemand hätte es sich vor wenigen Monaten noch vorstellen können: Max Eberl, einst gnadenlos kritisiert für Transferpleiten, steht nun im Scheinwerferlicht, gefeiert für die Kaderzusammenstellung, die Bayern München in die K.o.-Runde der Champions League katapultiert hat. Der Aufsichtsrat wird sich im Mai mit seiner Zukunft auseinandersetzen, aber die Zeichen stehen gut.

Hoeneß’ überraschende revision

Uli Hoeneß, der ehemalige Präsident, ließ im DAZN-Interview kaum Zweifel an seiner Wertschätzung für Eberls Arbeit. „Max wurde ja sogar als Verantwortlicher mit der schlechtesten Transferbilanz dargestellt“, so Hoeneß, „heute kann man darüber nur schmunzeln.“ Eine Ansicht, die angesichts der aktuellen Leistungen des Teams umso mehr Gewicht erhält. Die Wende im Urteil gegenüber Eberl ist bemerkenswert, besonders wenn man bedenkt, wie heftig die Kritik an ihm in der Vergangenheit war.

Kompany – ein glücklicher zufall?

Kompany – ein glücklicher zufall?

Besonders amüsant erwies sich Hoeneß’ Aussage über die Verpflichtung von Trainer Vincent Kompany. „Max hatte ihn ursprünglich eher als vierte oder fünfte Option auf dem Zettel. Wenn man rückblickend darüber nachdenkt, war das schon ein großes Glück.“ Ein glücklicher Zufall, der sich nun als Volltreffer herausstellt und die strategische Weitsicht von Eberl unterstreicht. Es zeigt, dass auch unerwartete Entscheidungen zu herausragenden Ergebnissen führen können.

Olise und diaz – eberls coups

Olise und diaz – eberls coups

Doch nicht nur Kompany, sondern auch die Verpflichtungen von Michael Olise und Luis Diaz zeugen von Eberls geschultem Auge. „Er ist eine Verpflichtung, das muss man ganz klar sagen, die auf Max zurückgeht. Er hat diese Entscheidung im Grunde auf eigene Verantwortung getroffen, weil wir den Spieler zuvor nicht kannten“, erklärte Hoeneß bezüglich Olise. Diaz, der im vergangenen Sommer kam, hat ebenfalls sofort eingeschlagen und die Offensive der Bayern verstärkt. Es ist unverkennbar, dass Eberl einen entscheidenden Beitrag zum aktuellen Erfolg leistet.

Der preis der kompromisse

Der preis der kompromisse

Eberl selbst genoss sichtlich den Moment vor dem Rückspiel gegen Paris St. Germain. „Wir haben diese Dinge entschieden, wir haben diesen Kader gebaut, wir haben diesen Trainer verpflichtet und ich habe immer an diesen Moment geglaubt, dass wir erfolgreich sein können“, so Eberl. Allerdings räumte er auch ein, dass der Weg nicht immer einfach war. „Es war nicht ganz so einfach, weil natürlich ein paar Charakterköpfe aufeinandergetroffen sind. Aber ich glaube, nur das hilft auch bei so einem großen Verein wie Bayern München, dass man sich reibt, dass man miteinander diskutiert.“ Der Preis für Erfolg im Fußballgeschäft ist oft Kompromissbereitschaft und die Fähigkeit, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.

Die zukunft ist offen

Die zukunft ist offen

Sein Vertrag läuft bis 2027, und Eberl signalisierte seine Bereitschaft zu einer Verlängerung. „Wir fühlen uns sehr, sehr wohl. Ich habe immer gesagt, ich will hier meinen Job machen. Man soll meinen Job bewerten. Wenn sie meinen Job gut finden, dann bin ich auch bereit, hier bei Bayern länger zu bleiben.“ Ob der Aufsichtsrat seinem Wunsch nachkommt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung wird entscheidend für die zukünftige Ausrichtung des FC Bayern sein.