Vicenza ballert schon vor dem frühling: +18 punkte und champagner auf eis

Vicenza spielt nicht einfach nur Serie C – Vicenza vernichtet sie. Mit 75 Zählern und +18 auf Verfolger Union Brescia könnte die Mannschaft von Trainer Francesco Modesto schon am Wochenende den Aufstieg perfekt machen. Sieben Spieltage vor dem Saisonende. Vor Ostern. Vor dem, was andere noch Saison nennen.

Die rechnung ist denkbar simpel

Samstag, 21.45 Uhr, Stadio Romeo Menti: Inter U23 kommt. Gewinnt Vicenza, und Union Brescia gleichzeitig nicht in Mailand gegen Alcione, ist die Meisterschaft entschieden. Ein Unentschieden reicht auch, wenn Brescia patzt. Die Zahlen sind brutaler als jede Analyse: 54 Tore vorne, 19 hinten – beides Bestwerte. Die eigene Hälfte wirkt wie ein Club-Bereich, in dem Gäste keinen Zutritt haben.

Was denkt da ein Gegner? Alcione-Coach Marco Zaffaroni sagt vor dem Duell mit Brescia: „Wir spielen gegen eine Mannschaft, die schon mit dem Kopz beim Open-Air-Konzert in Vicenza steht.“ Gemeint ist das traditionelle Fest, das die Berici nach dem Aufstiegsfest auffahren. Karten gibt’s schon im Vorverkauf.

Historie wird nebenbei neu geschrieben

Historie wird nebenbei neu geschrieben

Die letzte Serie C-Equipe, die so früh alles klar machte, war Ascoli 2018. Die vorletzte? Benevento 2020. Beide schafften direkt zwei Sprünge hoch. Vicenza will es eilig haben, aber sauber. Kein Hängepartie, kein Play-off-Roulette. „Wir wollen die Meisterschaft mit Siegen besiegeln, nicht mit Taschenrechnern“, sagt Modesto, der seit 18 Spielen ungeschlagen ist.

Der Sprint begann mit einem 0:1 in Legnago am zweiten Spieltag. Danach: 16 Siege, drei Remis, null weitere Niederlagen. Die Fans sangen nach dem 3:0 in Piacenza schon „siamo già in B“, wir sind schon in der B. Die Kurve trägt seit Wochen ein Spannenbanner: „Autostop Richtung Serie A – nächster Stopp: Spieltag 38.“

Und der Spaß kommt noch dicker: In der Coppa Italia Serie C steht Vicenza ebenfalls im Viertelfinale. Zweimal pro Woche feiern? Kein Problem, sagt Kapitän Stefano Giacomelli: „Wir haben zwei Kühlschränke. Einer ist für den Champagner, der andere für die Energiedrinks.“

Die liga schaut bereits auf den berici

Serie-B-Clubs wie Cremonese und Sampdoria haben Scouts in Venetien entsandt. Ob Christian Kouakou (13 Tore) oder Mittelfeld-Rakete Filippo De Col – der Markt wacht früh auf. Präsident Francesco Zambon aber blockt ab: „Erst wird gefeiert, dann wird summiert.“ Ein Satz, der in Vicenza seit dem Finanzdesaster von 2021 neue Bedeutung hat. Die Stadt trägt noch die Narben der Insolvenz, jetzt rollt der Karren wieder – und wie.

Wenn am Sonntag kurz vor Mitternacht die Sirenen heulen, ist nicht nur ein Spiel entschieden. Dann steht Venetien vor dem zweiten Frühling in drei Jahren: Im Vorjahr stieg Cittadella direkt auf, jetzt folgt der Nachbar. 60 Kilometer zwischen den Stadien, 60 Jahre seit dem letzten Scudetto der Löwen. Die Zeit ist ein Kreis, und Vicenza dreht ihn gerade per Handkurbel.

Die Liga kann sich warm anziehen. Die Champagnerflaschen stehen schon kalt – und niemand plant, sie wieder wegzustellen.