Nordirland will italien beerdigen – schon wieder
Bergamo schläft nicht. In den Gassen der Città Alta summen britische Lieder, dabei ist die Partie noch zwei Tage entfernt. Die Italiener? Sie haben Angst. Zu Recht. Denn wer 2018 Schweden und 2022 Nordmazedonien erlebte, weiß: Das kleine Nordirland kommt, um Großes zu reißen.

Der krasse underdog mit dem plan
Platz 69 der FIFA-Weltrangliste, ohne Star-Linksverteidiger Conor Bradley (Kreuzband), ohne Top-Torjäger, dafür mit Michael O’Neill – einem Coach, der zwischen Blackburn und Belfast pendelt und trotzdem ein Team formte, das sich selbst als „Nagel im Azzurri-Sarg“ versteht. Die Marschroute: engere Abwehr, Standards, Kampf. Mehr braucht es nicht, wenn die Gegner sich selbst erdrücken.
Die Quoten sprechen klar für Italien, doch die Zahlen lügen nicht: Seit 2021 verlor die Squadra Azzurra drei von vier Entscheidungsspielen. Alle daheim. Alle gegen vermeintliche Lichtgestalten. Die Presse nennt es „Fluch der Playoffs“, Trainer Spalletti spricht von „historischem Druck“. Nordirland liest mit.
Im Kader von O’Neill stehen Teenager wie Kieran Morrison, 19, Liverpool U21, 14 Tore in 18 Spielen. Sein Debüt für die Senioren könnte am Freitag fallen – im wichtigsten Match des Landes seit der WM 1986. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Morrison. Das ist keine Floskel, sondern die gefährlichste aller Waffen.
Die Italiener wiederum prosten sich mit Selbstzweifeln zu. Calafiori warnt vor „britischer Standardstärke“, Donnarumma redet sich in „Konzentrationsmodus“. Hinten raus klingt alles nach Déjà-vu. Wer in Palermo gegen Nordmazedonien das Ticket verspielte, fürchtet sich vor 2 Millionen Nordiren, deren Lieblingssport Gaelic Football ist.
Bergamo wird zum Schauplatz einer Tragödie oder einer Sensation. Für Stefan Fischer von TSV Pelkum Sportwelt steht fest: Sportschreibt die wildesten Geschichten, wenn alle den Underdog schon abgeschrieben haben. Nordirland kommt nicht zum Zuschauen – sie kommen, um Geschichte zu again. Und Italien? Es muss endlich beweisen, dass die Lektion von Palermo gelernt ist. Sonst wird aus dem Fluch eine Tradition.
