Neue tsg-führung: heimspiel für hoffenheimer, champions-league-traum für alle

Die TSG Hoffenheim hat nicht nur am Spielfeld Tempo, sondern auch hinter den Kulissen. Knapp 24 Stunden nach der Mitgliederversammlung sitzen die frisch gewählten Herren schon am Tisch – und keiner redet von Anlaufzeit. Drei ehemalige Fußballer führen den Bundesligisten, zwei SAP-Millionäre aus dem Kraichgau halten die Kasse. Ein Aufsichtsrat voller Heimatkicker, ein Vorstand voller Ehrgeiz. Die Devise lautet: Ruhe wecken, um dann durchzustarten.

Andreas schicker spürt den rückenwind – und nutzt ihn sofort

Sportgeschäftsführer Andreas Schicker trifft sich am Dienstag mit dem neuen Gremium. Kein Probearbeitsessen, sondern ein Konzepttag. „Ruhe und Stabilität sind sehr oft gefallen“, sagt er – und meint damit nicht nur Floskeln, sondern die Sehnsucht nach einem Verein, der nicht mehr nach jedem Transferfenster neu erzählt werden muss, wer eigentlich das Sagen hat. Schicker kennt die Ligen, er kennt die Agenten, er kennt die Druckkochtopf-Stimmung. Jetzt bekommt er Mitspieler auf Augenhöhe.

André Kreuzwieser sitzt dem künftigen Aufsichtsrat vor. Der 45-Jährige stammt aus Hoffenheim, schrieb bei SAP Code und schoss in der Verbandsliga Bälle weg. Beides – Software und Verteidiger-Job – half ihm, Distanz und Durchblick zu lernen. Als er die Rede für die Versammlung tippte, lief eine Träne über die Tastatur. „Emotional“ sei das Ganze, sagt er und lacht dann doch: „Ich will nicht, dass ein Schulkind zum VfB oder Bayernfan wird.“ Stattdessen will er die TSG in Kitas und Turnhallen bringen. Die Fanbeauftragten sollen bald nicht mehr nur vor Spieltagen angerufen werden.

Florian beil liefert das europa-depot – und die jugend

Florian beil liefert das europa-depot – und die jugend

Florian Beil, frisch gebackener 2. Vorsitzender, war einst Stürmer, heute Jahrgangs-übergreifender Teammanager. Er kennt die U19, die Youth League, die elterlichen WhatsApp-Gruppen. Wenn er von Talenten spricht, klingt das nicht nach PowerPoint, sondern nach Trainingsplatz-Duft. „Wir sind breit aufgestellt“, sagt er – und meint: Wer Europa League oder Champions League spielt, schickt automatisch die Kids international. Beil will wissen, „wer welche Stärken hat“, bevor er Scout-Listen liest.

Das Trio Schicker-Kreuzwieser-Beil versteht sich ohne Dolmetscher. Kaderplanung, Fan-Dialog, Sponsorenpflege – alles liegt auf dem Tisch, aber nichts im Papierkorb. Die GmbH und der e.V. sollen endlich wie eine Mannschaft funktionieren, nicht wie zwei Nebengeräusche. Die Schnittstelle war zuletzt ein Stolperdraht, jetzt wird sie zur verbindenden Passstrecke.

Champions-league-träume sind erlaubt – aber nicht geschenkt

Champions-league-träume sind erlaubt – aber nicht geschenkt

Der Tabellenplatz? Rang vier, nur zwei Zähler hinter dem FC Bayern. Die Saison ist noch jung, die Konkurrenz mischt kräftig mit. Doch wer in Hoffenheim nachfragt, bekommt keine Standard-Antwort. Kreuzwieser spricht von „zwei, drei Kernthemen“, die kurzfristig angepackt werden. Kein Nebel, keine Worthülse. Das erste Ziel heißt: die Ruhe liefern, die der Rasen verlangt. Denn nur wer innen ruhig steht, kann draußen sprinten.

Die Fans wollen das große Europa, die Sponsoren wollen Sichtbarkeit, die Jugend will Vorbilder. Die neue Führung will alles – aber Schritt für Schritt. „Man wächst mit den Themen“, sagt Kreuzwieser. Das gilt für Software-Start-ups und für Champions-League-Reden. Die TSG hat sich selbst neu gebootet. Ob das reicht, um Real Madrid zu empfangen? Die Antwort steht nicht in einer Rede, sondern in den nächsten zwölf Spieltagen. Ein Heimspiel für Hoffenheimer beginnt – und diesmal sitzen sie nicht nur auf den Rängen, sondern auch auf den Schaltflächen der Macht.