Murrayfield brennt: schottland schlägt frankreich 50:40 und wirft das sechs-nationen-rennen völlig durcheinander
Ein Herzschlag-Spiel, ein Punkteregen, eine Revanche mit Schampus-Stimmung: Schottland hat Frankreich mit 50:40 niedergebrannt und die Meisterschaft wieder offen gemacht. Beide Teams stehen nun bei 16 Punkten, Irland folgt mit 14. Die Titelentscheidung fällt am letzten Spieltag – und plötzlich ist alles drin.
Die zündschnuppe hieß darcy graham
Nach fünf Minuten lag die französische Defensive bereits auf dem Rasen. Huw Jones riss das Mittelfeld auf, Finn Russell ließ den Ball fallen – und erntete Glück, weil er ihn rückwärts wieder fand. Graham schnappte sich die Ei-Kugel, schlüpfte durch die Lücke, 7:0. Murrayfield explodierte, und die Gäste wirkten kurz wie gelähmt.
Doch Frankreich schüttelt sich. Louis Bielle-Biarrey nutzt einen verlorenen Schottischen Ball, Theo Attissogbe erhöht auf 14:7 – alles innerhalb von vier Minuten. Die Antwort? Kyle Steyn, diesmal nach einem hinterrücklichen Pass von George Turner. 14:12. Der erste Akt war noch nicht mal halb verklungen, da standen bereits vier Versuche auf der Anzeigetafel.

Pierre schoeman und der moment, als frankreich die nerven verlor
Minute 32: Pierre Schoeman stopft sich quer durch die Reihen, legt den Ball kurz aus, zieht durch – Versuch. Mathieu Jalibert sieht Gelb, weil er beim Maul schon das dritte Mal rückwärts gegrätscht ist. 19:14 zur Pause, und die Franzosen laufen bereits mit dem Adrenalinstöpsel im Mund.
Die zweite Hälfte wird zur Demonstration schottischer Effizienz. Ben White erzwingt den Bonus nach 44 Minuten, Steyn fängt Dupont ab und sprintet 60 Meter durch den gestrichelten Bereich. Graham macht seinen Doppelpack, Tom Jordan vollstreckt nach einem Zuspiel von Sione Tuipulotu – 43:14. Da glaubt selbst der passionierteste Caledonier nicht mehr an ein Franzosen-Comeback.

Zwei späte treffer – nur noch ergebniskosmetik
Aber Rugby ist grausam. Antoine Dupont und Thomas Ramos schrauben den Rückstand auf 43:26 herunter, holen zumindest den Offensiv-Bonus. Russell hämmert ein Droppie rein, Oscar Jegou und Ramos erhöhen noch einmal. 50:40 – Endstand. Die französische Presse wird vom „Kniefall in Edinburgh“ sprechen, doch die Wahrheit ist simpler: Schottland war an diesem Tag eine Nuasse schneller, eine Idee rabiater.
Die Tabelle sprätelt vor Spannung: Schottland und Frankreich 16 Punkte, Irland 14, England 10. Letzte Runde: Irland empfängt Schottland, Frankreich fordert England. Wer auch nur einmal gähnt, verpasst den Titel. Und weil das Sechs-Nationen-Finale 2026 ohnehin als offenes Schleusentor gilt, könnte diese Dramatik nur der Auftakt sein.
Für Greg Townsend ist es der größte Sieg seiner Amtszeit. Für Fabien Galthié die dritte Niederlage im vierten Spiel – und die Erkenntnis, dass Selbstverliebtheit in Murrayfield keine Versicherungspolice verkauft. Die Schotten feiern sich selbst als Außenseiter, die Franzosen fliegen mit zwei Bonuspunkten nach Hause und fragen sich, wie 40 Punkte trotzdem zu wenig sein können.
Die Antwort liegt im Tempo. Schottland spielte mit der Geduld eines Kartoffel-Dämpfers und der Geschwindigkeit eines Whisky-Überfalls. Wenn das keine Warnung für Dublin ist.
