Murrayfield dreht durch: 90 punkte, 10 versuche – schottland schockt frankreich
Die Schotten haben Frankreichs Grand-Slam-Traum in einem wilden Schlagabtausch mit 50:40 zerstört und beide Teams mit 16 Punkten an die Spitze des Sechs-Nation-Tabellen gepflanzt. Entscheidung in sieben Tagen: Irland gegen Schottland, Frankreich gegen England.
Drei minuten, die alles veränden
Minute 66 bis 68: Antoine Dupont stürmt für das 40:43, Thomas Ramos trägt das 47:50 nach. Zwei Versuche, ein Bonuspunkt, das Publikum in Atem. Die französische Maschine funkt noch einmal, doch der Schaden bleibt. Denn zwischen diesen Lichtblicken hat Schottland bereits fünf Mal gebolzt, zwei Mal durch Darcy Graham, zweimal durch Kyle Steyn und einmal durch Pierre Schoeman. Finn Russell verwandelt sieben von acht Versuchen – und trifft 78. Minute noch den Drop, der auf 50:26 stellt. Eine Zahl, die selbst Murrayfield schwindelig macht.
Der Ballbesitzwert spricht Bände: 56 % für die Équipe tricolore, 44 % für die Schotten. Doch Schottland macht aus jeder Unachtsamkeit ein Gift. Steyn fängt Dupont ab, White blockt Jalibert, Turner zirkelt einen Hinter-den-Rücken-Pass. Es ist Rugby-Jazz, improvisiert und gnadenlos.

Die titelchance lebt – mit einem haken
Mit 16 Zählern gleichauf haben beide Teams die Meisterschaft in der eigenen Hand. Frankreich muss Twickenham erobern, Schottland muss in Dublin gewinnen. Die Irren haben den Zahnarzttermin verlegt: 15. März, St. Patrick’s Day, Aviva Stadium. Wer dort punktet, trägt im März den Sechs-Nation-Kragen. Und wer verliert, darf sich mit dem moralischen Bonus trösten, den Murrayfield heute verschenkt hat.
Die Statistik des Wahnsinns: zehn Versuche, 90 Punkte, drei Gelbe Karten, ein zerbeultes Torpfostenpaar. Frankreich kassiert die meisten Gegenpunkte seit 2001. Schottland erzielt die höchste Heimpunktzahl seiner Turniergeschichte. Die Tabelle lügt nicht, aber sie lacht.
