München schmiedet den plan: leichtathletik-wm 2029 oder 2031 im olympiapark
München will zurück auf die internationale Leichtathletik-Bühne. 2.200 Athleten aus 195 Ländern, ein saniertes Olympiastadion und ein Stadtmarathon als Showpiece – das ist kein Traum, sondern die offizielle Bewerbung für die WM 2029 oder 2031, die der Stadtrat am Freitag mit großer Mehrheit absegnete.
Die Botschaft ist klar: Nach der Europameisterschaft 2022, die trotz Corona und Zugangsbeschränkungen für Furore sorgte, soll der Olympiapark zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit die globelle Elite empfangen. Und diesmal soll alles größer, lauter, bunter werden – mit neun Wettkampftagen, 50 Entscheidungen und einem Marathon, der mitten durch die Innenstadt führt.
Verena dietl: „ikone olympiapark soll neue geschichten schreiben“
„Eine begeisternde WM in unserem ikonischen Olympiapark, das wäre ein Gewinn für den Sport, für unsere Stadtgesellschaft, für die internationale Strahlkraft Münchens und natürlich auch für unser großes Ziel, die Olympischen und Paralympischen Spiele wieder nach München zu holen“, sagte Sportbürgermeisterin Verena Dietl (SPD) unmittelbar nach der Ratsentscheidung. Ihre Stimme klang nicht nach Verwaltungsvokabular, sondern nach Fan-Ruf. Dietl weiß: Der Park ist mehr als Grünfläche, er ist Identität. 1972 eröffnet, 2022 wiederentdeckt, 2031 möglicherweise zum dritten Mal Katalysator einer Sportnation.
Die Kalkulation ist sportpolitisch wie ökonomisch. 107 Millionen Euro für 2029, 110 Millionen für 2031 – aufgeteilt auf Bund, Freistaat und Stadt. Kein Zuschusswahn, sondern ein Drei-Säulen-Modell, das München bereits bei der EM erfolgreich testete. Die Infrastruktur liegt zu 80 Prozent brach, sagt die Stadt, Sanierungen laufen. Ein Neubau wäre teurer, ein Umzug undankbar. Also wird aus Bestand Zukunft gestrickt.

Termin-poker: 2031 liegt im trend, 2029 im kalender
Offiziell bewirbt sich München für beide Jahre, intern spricht man ausnahmslos von 2031. Gründe: 2029 blockieren bereits das Deutsche Turnfest (Mai) und die Frauen-EM (Juli/August). Drei Großevents in einem Sommer – selbst für eine Stadt, die Oktoberfest und Champions-League-Finale in einem Atemzug nennt, wäre das ein Kraftakt. Die Konkurrenz kommt von Shanghai, Doha und einem US-Standort, der noch nicht einmal feststeht. World Athletics will im September entscheiden, München liefert bis April alle Unterlagen.
Der Marathon darf dabei nicht zur Nebenrolle verkommen. Die Strecke führt über Leopoldstraße, Ludwig-Maximilians-Universität, Marienplatz, Isar, Englischen Garten – ein Stadtbild, das selbst Jogger-Hasen in Lauf-Hype versetzt. Die Organisatoren sprechen vom „Urban Trail der Superlative“. Klingt nach Marketing, ist aber Realität: keine andere WM bietet ein derart dichtes Kultur- und Sportpanorama.
Und dann ist da noch der Olympia-Damm. 1972 geprägt von tragischem Terror, 2022 von friedlicher EM-Stimmung, 2031 möglicherweise von neuem Kapitel. Die Bewerbung für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 läuft parallel. Die WM gilt als Generalprobe. Gelingt sie, lautet die Devise, ist der Weg zurück in die Olympische Familie weniger steinig. München will den Kreis schließen, die Welt soll wieder auf bayerische Weise feiern – mit Weißwurst statt Hot Dog, mit Maß statt Plastikbecher.
Die Athleten jedenfalls sind vorbereitet. 2.200 Startplätze, 195 Nationen, ein Stadion mit 63.000 Sitzplätzen, das nach der Sanierung wieder zu den modernsten Europas zählt. Die Zeitplanung ist sportlich: Indoor-Saison 2029/31 endet, Outdoor-Saison beginnt – München liefert den Auftakt, die Welt blickt nach Deutschland. Die Frage ist nicht mehr, ob die WM kommt, sondern wann. Und ob München dann endgültig zum Olympia-Kandidaten mutiert. Die Antwort liegt im September – und im Geld. 110 Millionen sind veranschlagt, der Rest ist Politik. Die Sportwelt wartet, der Countdown läuft.
