Milik trainiert wieder – 600 tage pause, und jetzt?

Es ist ein Bild, das man sich bei Juventus schon fast abgewöhnt hatte: Arkadiusz Milik auf dem Trainingsplatz der Continassa, im Kreis seiner Teamkollegen, unter den Augen von Luciano Spalletti. Der polnische Mittelstürmer ist zurück im Mannschaftstraining – nach mehr als 600 Tagen ohne Pflichtspieleinsatz. Keine Übertreibung, keine Dramatisierung. Einfach eine Zahl, die für sich selbst spricht.

Ein rückkehrer, den niemand mehr erwartet hatte

Sein letztes offizielles Spiel bestritt Milik im Juni 2024 – ein Vorbereitungsspiel mit der polnischen Nationalmannschaft vor der Europameisterschaft. Bei Juventus selbst stand er zuletzt unter Paolo Montero auf dem Platz, dem Übergangscoach nach dem Abgang von Massimiliano Allegri. Seitdem sind in Turin ganze Trainerkapitel aufgeschlagen und wieder zugeklappt worden: Thiago Motta kam und ging, Igor Tudor übernahm und verschwand – und Milik? Der trainierte, wenn er konnte, und fiel aus, wenn sein Körper es so entschied.

Zwei Operationen am linken Knie, diverse Muskelverletzungen, und dann noch jener kuriose Unfall am ersten Tag des Sommerlagers: eine Schnittwunde an der rechten Schienbeininnenseite, die seinen Start in die Saison sofort zunichtemachte. Im Dezember wurde er zweimal in den Kader berufen – gegen Roma und Pisa – doch kurz darauf war er wieder weg. Verletzt. Wieder.

Was dieser trainingsmoment wirklich bedeutet

Was dieser trainingsmoment wirklich bedeutet

Spalletti hat ihn trotzdem nicht abgeschrieben. Die Tatsache, dass der 32-Jährige in den Kader aufgenommen wurde, sobald er halbwegs fit war, zeigt: Er gehört noch zum Projekt – zumindest offiziell. Sein Rückkehr in die Gruppe wurde vom Medienrummel rund um Dusan Vlahovic überdeckt, was verständlich ist, aber Milik in seiner Karriere unterschätzt, wer nur auf seinen Körper schaut. Vom Ajax über Napoli und Marseille bis nach Turin – der Mann hat immer getroffen, wenn er auf dem Platz stand.

Genau das ist der Knackpunkt. Ein Kurzeinsatz vor Saisonende würde beiden Seiten nützen: Juventus könnte zeigen, dass Milik noch funktioniert, und Milik selbst könnte potenziellen Interessenten beweisen, dass sein Körper wieder belastbar ist. Denn ohne Spielminuten ist er auf dem Transfermarkt schlicht nicht verkäufbar.

Abschied im sommer – die richtung ist klar

Abschied im sommer – die richtung ist klar

Sein Vertrag läuft bis 2027 – das Ergebnis einer Verlängerung vom April 2025, mit der Juventus sein Gehalt von 3,5 Millionen Euro auf rund 2 Millionen streckte, um die Bilanz zu entlasten. Ein cleverer Schachzug der Buchhaltung, kein Vertrauensbeweis. Der Verein arbeitet laut übereinstimmenden Berichten daran, Milik im nächsten Transferfenster zu vermitteln. Eine einvernehmliche Vertragsauflösung gilt als denkbare Option. Die letzten konkreten Anfragen kamen aus dem Nahen Osten – und von dort könnte auch der nächste Karriereschritt kommen.

Milik ist 32. Er hat einen Körper, der ihn immer wieder verraten hat, und einen Kopf, der offenbar noch nicht aufgehört hat zu kämpfen. Ob das reicht, um in Turin noch eine Rolle zu spielen oder anderswo neu anzufangen – das wird nicht die Theorie entscheiden, sondern das nächste Spiel, in dem er endlich wieder auf dem Platz steht.