Milik trainiert wieder mit juventus – nach 600 tagen albtraum
Es ist ein Bild, das man kaum für möglich gehalten hätte: Arkadiusz Milik steht wieder auf dem Trainingsplatz der Continassa, arbeitet mit seinen Juventus-Kollegen unter Luciano Spalletti – und das nach mehr als 600 Tagen ohne ein einziges Pflichtspielminute. Der polnische Mittelstürmer, 32 Jahre alt, kehrt aus einem Verletzungsmarathon zurück, der in seiner Brutalität seinesgleichen sucht.
Ein rückkehrer, den niemand mehr erwartet hatte
Die Geschichte der letzten eineinhalb Jahre liest sich wie ein medizinisches Protokoll, kein Sportreport. Zwei Operationen am linken Knie, diverse Muskelverletzungen – und dann, ausgerechnet am ersten Tag des Sommerlagers, eine Schnittverletzung an der rechten Tibia. Zufälle gibt es, aber dieser Körper schien systematisch gegen seinen Besitzer zu arbeiten.
In dieser Saison wurde er genau zweimal nominiert – im Dezember gegen Roma und Pisa. Dann verschwand er wieder in der Unsichtbarkeit der Verletztenliste. Sein letztes offizielles Spiel datiert vom Juni 2024, ein Testspiel mit der polnischen Nationalmannschaft vor der Europameisterschaft. Damals trainierte bei Juventus noch Paolo Montero als Übergangslösung. Seitdem kamen und gingen Thiago Motta und Igor Tudor – Milik blieb, aber nur auf dem Papier.

Was die rückkehr ins gruppentraining wirklich bedeutet
Vorsicht ist geboten. Wer den Weg dieses Spielers kennt, weiß: Gruppentraining ist nicht gleich Spielbereitschaft. Trotzdem ist es kein unbedeutendes Signal, dass Spalletti ihn bereits im Dezember zweimal in den Kader berief. Der Trainer hat ihn nicht abgeschrieben. Und Milik selbst – das ist bekannt – hat nie aufgehört, zu kämpfen.
Sein Rückkehr fiel zeitlich mit dem Comeback von Dušan Vlahović zusammen, der naturgemäß die größere mediale Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber wer Miliks Karriere verfolgt hat – von Ajax über Napoli und Marseille bis nach Turin – weiß, dass dieser Mann Tore riechen kann. Im Strafraum ist er eine andere Kategorie. Wenn der Körper mitmacht.

Juventus plant den abschied – der mittlere osten wartet
Sportlich könnte noch etwas kommen. Vertraglich ist die Lage komplizierter. Juventus verlängerte seinen Vertrag im April 2025 bis 2027 – aber nicht aus sportlicher Überzeugung, sondern um das Gehalt von 3,5 Millionen Euro auf rund 2 Millionen Euro zu strecken und die Bilanz zu entlasten. Ein buchhalterischer Trick, kein Vertrauensbeweis.
Die Botschaft des Klubs ist klar: Beim nächsten Transferfenster soll eine Lösung gefunden werden. Erste Anfragen kamen aus dem Mittleren Osten – und dort könnte die letzte Karrierephase des Klasse-1994-Stürmers beginnen. Juventus braucht Planungssicherheit im Angriff. Milik braucht Spielzeit, um überhaupt noch Optionen zu haben.
Es bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen einen Körper, der in den letzten zwei Jahren zu oft verloren hat. Aber wer Arkadiusz Milik kennt, weiß: Er war schon öfter abgeschrieben. Und hat schon öfter getroffen.
