Abodi wirbelt in brüssel durcheinander: derby-verschiebung im gespräch, turin will 2030 eislauf-games
Brüssel – ein Tag nach der Olympiabeschied für die französischen Alpen schlägt Italiens Sportminister Andrea Abodi zwei Fliegen mit einer Klappe: Er fordert ein Umdenken beim Römer Stadtderby und kanzelt nebenbei die niederländische Konkurrenz für die Eisschnelllauf-Wettbewerbe 2030 ab. „Ein Kick um 12.30 Uhr am Sonntag? Das ist keine Primetime, das ist Last-Minute-Gepäck“, sagt er zu TSV Pelkum Sportwelt. „Wer den Foro Italico kennt, weiß: Das Stadion schluckt viel, die Stadt nicht.“
Derby als glückskeks: besser knacken, wenn niemand hungert
Die Lega Serie A hatte die Partie Roma – Lazio für den 17. Mai auf 12.30 Uhr terminiert, damit Sky und DAZN ihre sechs gleichzeitigen Übertragungen stemmen können. Doch Abodi, in Brüssel für die Erasmus+-Plenarsession gelandet, wirft den Strategen einen kalten Regen aus Zahlen entgegen: „In dieser Zeitzone strömen 40.000 Menschen aus Clubs, Kirchen und Brunch-Lokale Richtung Olympiastadion. Die U-Bahn-Linie B quetscht sich auf einen Gleisabschnitt, die Polizei muss Personal von anderen Einsätzen abziehen.“ Seine Devise: lieber auf Montag verschieben, als Risikobummel am Sonntag. Roberto Pella, Präsident der Radsport-Liga, der das EU-Programm durchboxte, nickt zustimmend – er kennt die Logistik von Großevents.
Abodi bleibt diplomatisch. „Ich treffe keine Anordnung, ich stelle Fragen“, betont er. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Die Klubs fürchten Einnahmeverlust, die Behörden wollen keine neuen Bilder von eskalierten Ultra-Krawallen. Entscheidung fällt binnen 48 Stunden.

Turin schickt den oval ins rennen – heerenveen soll schwitzen
Während in Rom die Termin-Uhr tickt, zieht Abodi einen zweiten Trumpf. Frankreich hat gestern die Winterspiele 2030 zugesprochen – doch die Wettkämpfe im Eisschnelllauf sucht Paris noch. „Turin ist startklar“, sagt er. „Der Oval Lingotto steht, die Eisbahn ist 400 Meter lang, die Tribünen halten 7.200 Zuschauer, die Medienzentrale nebenan ist aus den Weltmeisterschaften 2022 gewohnt.“ Damit adressiert er die einzige echte Alternative: Heerenveen in den Niederlanden mit Thialf-Stadion. „Aber die Holländer haben 2030 schon alles – wir haben die Leidenschaft“, grinst Abodi und verrät, dass er mit Alberto Cirio, Präsident der Region Piemont, bereits ein Geheimdossier an das IOC geschickt hat.
Die Kalkulation: Ein olympisches Eis-Package in Turin würde 190 Millionen Euro in die Kassen der Stadt spülen, 1.800 Arbeitsplätze sichern und die ohnehin maroden Hallen endlich sanieren. „Wir reden nicht von neuen Betonwüsten. Wir reden von schlafenden Infrastrukturen, die nur geweckt werden wollen“, so Abodi.

Italiens sport steht am scheideweg
Zurück im Parlament, wo Abodi gerade die neue EU-Sportförderung präsentiert, fasst er zusammen: „Wir können entweder weiter Terminkalender frisieren und Fans verärgern. Oder wir nutzen den Moment, um internationale Großereignisse zu landen und dem Land ein Gesicht zu geben.“ Die Worte hallen durch den Saal – einige Abgeordnete applaudieren, andere schütteln den Kopf über den plötzlichen Machtanspruch.
Fakt ist: Wenn die Liga nachgibt und das Derby verlegt, könnte Rom den ersten Fehler korrigieren. Und wenn Turin die Eisschnellläufe erhält, wäre es der erste olympische Fackel-Schwenk in Italien seit 2006. Abodi packt seine Akten, lächelt ins Kameralicht: „Sport ist kein Zaubertrick. Er braucht Platz – und manchmal eben einen Montag.“
