Memmingen krönt sich zum siebten mal – nur 122 fans fehlten zum zuschauerrekord
2679 Menschen, ein Hallendach, das zu platzen drohte, und ein Team, das Geschichte schrieb: Die ECDC-Frauen von Memmingen haben in einem Krimi mit Berliner Eisbären die Meisterschaft eingefangen – und hätten dabei fast den Zuschauerrekord der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga pulverisiert.
Der 4:2-Sieg im dritten Finalspiel war keine Frage des Ob, sondern des Wann. Schon nach 9 Minuten nagelte Nara Elia die Scheibe zum 1:0 ins Netz, Theresa Knutson erhöhte in der 36. Minute und legte in der 54. nach. Dazwischen schraubte Jule Schiefer auf 3:1. Berlin kam heran, aber nicht heran genug.
Daria gleißner und ihre bande von olympionikinnen
Kapitänin Daria Gleißner stand nach der Schlusssirene mit dem Pokal da, als wäre er ein Verlängerung ihres Arms. „Wir spielen hier richtig gutes Eishockey“, sagte sie, während sich die Fans auf die Bande stürmten. Man sah es ihr an: Sie meinte nicht nur das Spiel, sondern die letzten zehn Jahre. Seit 2015 hat Memmingen alle Titel geholt, bis auf einen. Rekordhalter bleibt die ESG Planegg mit acht Meisterschaften – doch deren Team existiert nicht mehr.
Die Berlinerinnen hatten im November 2023 mit 2801 Zuschauern die Marke aufgestellt, diesmal fehlte eine S-Bahn-Wagenladung. Kein Wunder: Die Uber-Arena, Heimspielstätte der DEL-Eisbären, war außer Reichweite. Memmingen spielte vor heimischer Kulisse, und die Hallenkapazität reichte nicht für mehr. Die Tickets waren in zwei Tagen ausverkauft.

Der olympia-effekt zieht durchs bundesland
Die deutsche Nationalmannschaft hatte in Mailand Millionen vor die Bildschirme gelockt, mehr als vier Millionen sahen das Gruppenspiel gegen Frankreich. Die Wellen schlagen bis nach Bayern durch. In Memmingens U14-Training sind seit Februar 30 Prozent mehr Mädchen auf dem Eis. Der Jugendleiter spricht von „Wartelisten, die wir nicht mehr abarbeiten können“.
Der Club selbst spielt in der DFEL, die nur noch vier deutsche Teams zählt. Der Rest ist international: HK Budapest, zwei Schweizer Klubs und eine tschechische Auswahl. Memmingen ist damit nicht nur deutscher Meister, sondern auch letzter deutscher Bulwark gegen den Import aus Osteuropa.
Die Saison ist vorbei, das nächste Kapitel beginnt. Rekord oder nicht – Memmingen hat sich einen neuen Anhang erobert. Und wenn die Planegg-Anhänger auf ihre acht Sterne zeigen, können die Memminger auf zehn Jahre Dominanz und einen Pokal zeigen, der so frisch glänzt, dass man darin die Zukunft der Liga sehen kann.
