Malte seidel kehrt zurück: abschiedsspiel für den tusem-legenden

Ein Knie verweigerte ihm 2024 den letzten Auftritt, zwei Jahre später holt Malte Seidel den Schlusspunkt nach. Am 18. Juli 2026 tritt der ehemalige Abwehrchef in der Klaus-Schorn-Sporthalle erneut aufs Parkett – diesmal nicht in Pflicht, sondern mit einem Lächeln und einem guten Zweck.

14 Jahre tusem: eine karriere, die mit 15 begann

Seidel war gerade mal 15, als er aus der heimischen TSG Essen-West zum TUSEM wechselte. Was folgte, war eine Laufbahn ohne Umwege: Junioren-Nationalmannschaft, Bundesliga-Debüt mit 18, feste Stammkraft im Rückraum. 217 Spiele, 422 Tore, eine Kapitänsbinde – und ein Kreuzbandriss, der ihm die vorzeitige Verabschiedung raubte. „Ich habe die Halle verlassen, ohne zu winken“, sagt er heute. „Das nagt noch immer.“

Die Idee für ein Abschiedsspiel reifte bereits während der Reha. Herbert Stauber, der Jugendcoach, der ihn einst hochzog, meldete sich sofort. „Ich bin dabei, Hauptsache wir verlieren nicht“, scherzt der 62-Jährige, der die Seidel Allstars betreuen wird. Auf dem Papier steht ein Freundschaftsspiel, doch im Kopf wird es ein Test: Wer kann nach zwei Jahren Pause noch 60 Minuten durchhalten?

Roter keil: spenden statt schampus

Roter keil: spenden statt schampus

Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen. Jeder Cent fließt an Roter Keil, die Essener Initiative gegen sexuellen Missbrauch. 25 Jahre arbeitet der Verein mit Schulen und Sportvereinen, 2025 kamen 380.000 Euro Spendengelder zusammen. Seidel selbst absolvierte dort einen Workshop: „Ich war erschüttert, wie nah das Thema ist. Handball kann mehr sein als Siege.“

TUSEM stellt Schiedsrichter, Halle und Security, die Stadt Essen übernimmt die Technik. Sponsoren sichern die Infrastruktur, ein Getränkepartner springt ein. Bleibt die Frage: Wer spielt? Neben Stauber stehen Ex-Kollegen wie Lasse Matuschek und Finn Stevens auf der Liste. Auch Bundesliga-Kreisläufer Timo Kastening hat zugesagt – wenn seine Sommerpause es erlaubt. „Wir werden ein Mix aus alten Kameraden und jungen Wilden“, verrät Seidel. „Die Beine sind älter, der Ehrgeiz nicht.“

Der countdown läuft

Der countdown läuft

Trainiert wird seit Pfingsten. Zweimal die Woche treffen sich die Allstars in der Halle an der Herculesstraße. Keine Pflicht, aber alle kommen. „Wir quatschen 15 Minuten, schwitzen 45“, sagt Seidel. Die Taktik: schnelle Gegenstöße, enges 5-1-System, viele Wechsel. „Der Spaß steht über dem Ergebnis, aber ein 25-Tore-Unterschied will keiner.“

Für TUSEM ist das Spiel ein Test vor der Vorbereitung auf die 2. Bundesliga-Saison. Neuzugang Milo Stojanović will sich vor dem eigenen Publikum beweisen, Trainer Jörg Lützelberger testet neue Varianten. „Wir nehmen es ernst“, betont der Coach. „Aber wenn Malte in der 55. Minute das 25:25 wirft, pfeifen wir ab.“

Am Ende steht eine Zahl: 3.000 Zuschauer sollen Platz finden, 2.400 Tickets sind bereits weg. Die Halle an der Kennedystraße wird zur Festmeile, Essens Foodtrucks parken vor dem Eingang, ein DJ mischt das Warm-up. Und wenn der Schlusspfiff ertönt, wird Malte Seidel noch einmal durch die Kabine gehen, das alte Trikot über die Schultern streifen und die Hand heben – endlich.