Vfb stuttgart vor dem saisonfinale: warum die champions league zum greifen nah liegt

53 Punkte nach 27 Spielen, ein Deniz Undav, der trifft, wie er will, und ein Restprogramm, das den VfB Stuttgart noch stärker machen könnte als er sowieso schon ist. Die Schwaben stehen drei Spieltage vor Saisonende auf Rang drei – und plötzlich ist nichts mehr unmöglich, was vor Saisonbeginn noch als unrealistisch galt.

Undav ist derzeit nicht nur in form, er ist ein zustand

18 Tore, fünf Vorlagen, zwölf Spiele in Folge mit Torbeteiligung – die Zahlen des 29-Jährigen sind kein Zufall. Undav spielt nicht einfach nur gut, er spielt frei. Die Rolle als falsche Neun hinter Ermedin Demirovic entlarvt die gegnerischen Abwehrreihen als statisch. Er zieht sich in die Halbräume zurück, spielt den Steilpass, dreht sich ab, schießt. Gegner wissen, was kommt. Sie können trotzdem nichts dagegen tun.

Sein Selbstvertrauen ist längst zur Gruppendynamik geworden. Wer im Training den Ball nicht sauber annimmt, bekommt von Undav ein hörbares „Komm, Jungs, wir sind doch nicht in der Kreisliga!“ zugeschmettert. Genau diese Anspruchshaltung fehlte dem VfB in den vergangenen Jahren, wenn es darum ging, Spiele zu managen statt nur zu spielen.

Der vfb hat endlich wieder einen kader statt nur elf startspieler

Der vfb hat endlich wieder einen kader statt nur elf startspieler

Angelo Stiller lenkt das Spiel wie ein Dirigent, der die Partitur auswendig kann. Alex Nübel hält nicht nur, er beruhigt. Jamie Leweling ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern Konstante. Selbst Josha Vagnoman, zuletzt zwischen Bank und Tribüne pendelnd, lief in Augsburg auf wie neugeboren. Der Grund: Jeder Spieler weiß, dass seine Minute kommen kann – und dass sie zählt.

Die Rotation ist nicht mehr wild, sondern gezielt. Sebastian Hoeneß hat seinen Kern, aber er behandelt auch die Ersatzbank nicht wie einen Abstellgleis. Das zahlt sich aus, wenn in der 78. Minute ein Chris Führich einwechselt und mit dem ersten Ballkontakt die Entscheidung trifft.

Die großen gegner sind kein schrecken mehr, sondern die beste chance

Die großen gegner sind kein schrecken mehr, sondern die beste chance

Stuttgart gegen tiefstehende Teams – das war in dieser Saison oft ein Geduldsspiel mit offenem Ausgang. Doch jetzt kommt Bayern, Leverkusen, Dortmund, Frankfurt. Genau die, die Räume lassen, die den VfB ins Umschaltspiel bringen, in dem Undav und Co. leben. Die Bilanz der Rückrunde gegen die oberen Hälfte: 4:1 gegen Leverkusen, 3:2 gegen Frankfurt, 1:0 gegen Leipzig. Die These: Je höher der Gegner, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Stuttgart gewinnt.

Die champions league ist kein luxus, sondern die logische konsequenz

Die champions league ist kein luxus, sondern die logische konsequenz

Der VfB Stuttgart wird nicht vierter, weil es nett wäre. Er wird vierter, weil er in dieser Form keinen Gegner fürchtet, weil seine Torgefahr nicht von einem einzelnen Spieler abhängt, weil der Trainer endlich weiß, wer wann spielt – und weil der Klub erstmals seit Jahren eine Identität hat, die über ein paar schöne Wochen hinausreicht.

Die Saison ist keine Eintagsfliege mehr. Sie ist ein Statement. Und am Ende steht nicht die Frage, ob der VfB die ChampionsLeague schafft. Sondern wie weit er in ihr kommen wird.