Lägreid zerstört nach seitensprung-drama alte bjørndalen-marke
2:33,4 Minuten Vorsprung. Im Ziel von Otepää schaute Sturla Holm Lägreid auf die Anzeigetafel, atmete durch und wusste: Das war mehr als ein Sieg – das war ein Exempel.
Der norweger jagt rekorde und dämonen gleichzeitig
Nur zwei Wochen nachdem er in Norwegens Fernsehen seine Fremdgeh-Beichte ablieferte und seine Beziehung in live übertragener Einsamkeit begraben musste, preschte er durch Schneetreiben, das andere nur ausbremsen ließ. Die 12,5 km Verfolgung wurde zur Generalprobe für die WM – und zur Privatklinik. „Ich habe kaum geschlafen, kaum gegessen“, sagte er nach dem Zieleinlauf. „Dabei zählt nur, was du auf der Strecke raushaust.“
Die Zahl 2:33,4 wird Biathlon-Lehrbücher füllen. Sie räumt Ole Einar Bjørndalens Sagerekord aus dem Jahr 2006 ab, 17 Jahre Standfestigkeit weggespült von einem Mann, der zuvor schon den Sprint in Otepää gewann und damit seine achte Einzel-Podiumserie in Folge komplettierte. Zählt man Staffeln, sind es zehn Top-3-Platzierungen nacheinander – eine Serie, die selbst Martin Fourcade nie hinlegte.
TV-Experte Ola Lunde, selbst Olympiasieger, fand nach dem Rennen nur noch eine Kategorie: „Er ist derzeit der beste Biathlet der Welt – kein Diskussionsbedarf.“

Beichte, fasten, feuer – wie seine körpermasse zur waffe wurde
Was die Leistung unheimlich macht: Lägreid startete mit Leergewicht. Die öffentliche Entschuldigung kostete ihn vier Kilo Körpermasse. „Ich bin zu dünn“, sagt er. „Aber ich bin präsent.“ Genau das macht seine aktuelle Form so brisant – er beweist, dass Perfektion überbewertet ist. Kein optimaler Schlaf, keine Makro-Nährstoff-Tabellen, dafür ein mentales Brennglas, das alles andere verglühen lässt.
Der Franzose Emilien Jacquelin wurde zweiter, obwohl er am Schießstand nur einen Fehler leistete. Es half nichts. „Wenn er so läuft, kannst du nur zuschauen“, sagte Jacquelin. Auch Johannes Thingnes Bø blieb weit zurück – ein seltenes Bild in einem norwegischen Interne-Duell.
Die Saison geht weiter nach Kontiolahti, doch die Signatur ist klar: Wer gegen Lägreid gewinnen will, muss entweder einen perfekten Tag erwischen oder auf neue physische Tiefs hoffen – und beides sieht derzeit nicht wahrscheinlich aus.
