Silber gegen china und ein abschied nach 20 jahren: tag 8 rüttelt deutschland wach
5,4 Sekunden fehlten der deutschen Langlauf-Staffel auf Gold, acht Hundertstel trennten Anna-Lena Forster von Bronze – und Andrea Rothfuss verabschiedete sich nach sechs Spielen mit einem Lächeln und Platz sieben. Der achte Wettkampftag der Paralympics in Cortina war ein Kino der Gefühle, in dem sich das deutsche Team zwischen Jubel und Verdruß bewegte wie ein Slalomläufer auf Glatteis.
Silber im sprint, tränen im mixed
Theo Bold, Sebastian Marburger, Linn Kazmaier und Marco Maier schaufelten sich in der offenen 4×2,5-km-Staffel mit der Präzision eines Uhrwerks auf Silber. 5,4 Sekunden hinter China – das klingt nach einem Hauch, ist im Para-Langlauf aber eine halbe Ewigkeit. Die Bilder nach dem Ziel: vier verschwitzte Gesichter, ein deutscher Schrei, der sich in den kalten Fichtelwald fuhr. Doch die Freude währte nur kurz. Im Mixed-Bewerb verpasste das Quartett um Nico Messinger als Vierter knapp das Podest. „13,9 Sekunden auf Bronze – das nagt“, sagte Messinger und schob sich die Brille in den Schnee. Zu viel Holz im finalen Wechsel, zu viel Risiko auf der letzten Runde. Die Medaille blieb in der Kabine.

Forsters albtraum im slalom – und rothfuss’ letzte fahrt
Anna-Lena Forster kam als Favoritin, verließ als Vierte. Die 30-Jährige, die zuvor Abfahrt und Riesenslalom dominiert hatte, verpatzte im Slalom die erste Passage, rutschte auf einem Eisplättchen aus und verlor acht Hundertstel gegen Bronze. „Ich habe meine Beine nicht mehr gefunden“, sagte sie mit zitternder Stimme. Die Frage nach der Zukunft beantwortete sie mit einem Schulterzucken: „Erst mal heim, dann schauen.“
Eine andere Geschichte schrieb Andrea Rothfuss. Die Rekord-Paralympionikin startete 2006 in Turin, endet 2026 in Cortina. Platz sieben im Slalom – das reicht nicht für eine weitere Medaille, reicht aber für einen würdigen Abschied. „Ich bin stolz, dass ich noch vier Rennen fahren durfte, statt der geplanten zwei“, sagte sie und lachte durch den Schneeregen. Ihre Bilanz: ein Gold, neun Silber, vier Bronze – und ein Platz in der Geschichte.

Kanada stoppt chinas gold-hattrick, deutschland bleibt draußen
Im Rollstuhlcurling-Finale lieferten sich Kanada und China ein Drama auf Eis. 3:4 fiel die Entscheidung im letzten Stein – Kanadas Skip Mark Ideson rutschte den Button ins Haus, Chias Wang Haiteto konnte nicht mehr kontern. Für Kanada ist es der vierte Titel, für China die erste Niederlage nach zwei Gold-Rollen. Deutschland sah vom Sofa zu – die Qualifikation war knapp verpasst.
Im Para-Eishockey wurde der Traum von Platz fünf zur Farce. Das DEB-Team um Kapitän Jörg Wedde unterlag Italien 2:5 und rutscht auf Rang sechs ab. Drei Vorrunden-Niederlagen hatten das Halbfinale verhindert, der Schlussspurt gegen die Gastgeber wurde zur Demonstration mangelnder Kondition. Die Jungs tragen nun die Erkenntnis heim: 20 Jahre Abstinenz sind zu lang, um mit einem Schlag zurückzukommen.

Fazit: ein tag, der deutschland lehrt
Silber ist kein Trost, Viertplatzierungen sind keine Medaillen – und Abschiede sind trotzdem Siege. Tag 8 war ein Lehrstück: Die Konkurrenz schläft nicht, die eigenen Fehler kosten Podestplätze, und selbst Rekord-Champions müssen sich neu erfinden. Die Paralympics geben keine Geschenke, nur Aufträge. Die nächste Chance kommt in vier Jahren. Bis dahin heißt es: Schneepflug an, Kufen wetzen, Tränen trocknen.
