Kopecky schlägt auf der via roma zu – sturz wirft schatten auf historischen sieg

Lotte Kopecky hat die Via Roma in eine belgische Festung verwandelt. Mit einem Sprint, der keine Gnade kannte, krönte sich die zweifache Weltmeisterin zur Siegerin der achten Milano-Sanremo Donne – doch die Freude bleibt getrübt von einem Absturz, der das Finale in Schockwellen versetzte.

Die attacke am poggio

25 Kilometer vor dem Ziel zündete Lieke Nooijen das Pulver. Die Visma-Fahrerin riss sich auf der Cipressa los, strich durch die Kurven wie ein Raketenrumpf und nagelte das Feld an die Wand. Doch der Vorsprung zerbarst auf dem Poggio, als Puck Pieterse den Turbo warf und eine Fünfergruppe formte. Kopecky saß im Rücken, lauschte auf den Rhythmus ihrer Beine – und wartete.

Die Abfahrt nach Sanremo wurde zur Schicksalsstraße. Ein Touchierwheels, ein Aufprall, ein Kreischen aus Carbon: Kim Le Court und Kasia Niewiadoma schleuderten übers Asphaltband, weitere Fahrerinnen flogen wie Kegel. Rettungswagen blockierten die Strecke, das Rennen floss weiter – das Protokoll kennt kein Pardon.

Der sprint, der alles erklärt

Der sprint, der alles erklärt

Auf der Via Roma verwandelte sich die Gruppe in eine Katapultanlage. Noemi Rüegg zog als Erste durch, Gasparrini schaltete den italienischen Volldampf, doch Kopecky ließ den Turbo erst auf den letzten 150 Metern platzen. Mit 68 km/h jagte sie über die weiße Linie – Sekundenbruchteile vor der Schweizerin, Lichtjahre vor der Konkurrenz.

Die deutschen Starterinnen? Sie kamen verspätet. Ohne Top-10-Platzierung, aber mit neuen Fragen über die Lücke zum Weltniveau.

Der Sturz bleibt – wie so oft – ein ungeschrieenes Kapitel im Protokoll. Ärzte schweigen, Teams verweisen auf Datenschutz, die Veranstalter zählen nur die Sekunden. Kopecky selbst wusste vom Drama, erst als sie das Ziel durchbrach. Ihre erste Geste: die Hände vors Gesicht – nicht aus Jubel, sondern aus Erschütterung.

Am Ende steht eine belgische Siegerin, eine geschundene Strecke und ein Peloton, das wieder einmal lernt: Ruhm und Risiko liegen auf derselben Seite der Medaille. Die Trophäe glänzt, doch das Echo hallt nach – und es klingt nicht nach Siegesfanfaren, sondern nach Bremsen, die zu spät kommen.