Koepfer kämpft sich durch schmerz-tage: „einmal denke ich täglich ans aufhören“

13 Monate ohne Match, ein Knie, das nach jeder Belastung revoltiert, und ein Kopf, der zwischen Aufgeben und Aufstand schwankt: Dominik Koepfer lebt in der radikalsten Ausnahmesituation des Profisports – der Reha-Warteschleife.

Die patellasehne ist sein zweiter job

Seit März 2025 nagt die Reizung an der Kniescheibensehne. Was als „kleines Zipperlein“ begann, wurde zur Langstrecke durch Therapiezimmer. Koepfer zählt stolz die Etappen: erst konservativ, dann November-OP, jetzt zwei Mal die Woche leichtes Schlägertraining. „Ich habe einmal Punkte gespielt, dann meldete sich das Knie wieder“, sagt er. Die Folge: Programm zurück auf Anfang, Geduld resettet.

Die Zahlen sind gnadenlos: Die ATP-Weltrangliste vergaß ihn, der deutsche Herren-Tenniszug fährt ohne ihn. Alexander Zverev steht allein auf der Großereignis-Bühne, hinter ihm klafft eine Lücke, die eigentlich Koepfers Paradedomäne war – Davis-Cup-Einsätze, US-Open-Achtelfinale 2019, linkshändige Power.

Mental-coaching in tampa statt matchdruck in münchen

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In seinem Haus in Florida schlägt er Bälle, nicht Rekorde. Die eigene Küche, der feste Kleiderschrank – banale Konstanten, die ihn retten. „Letztes Jahr lebte ich aus dem Koffer, heute habe ich eine Routine, die mich vom Knie ablenkt“, sagt er. Die Physiotherapie bleibt, aber sie rückt in den Hintergrund zwischen Frühstück und Netflix. Dort plant er bereits das Nach-Tennis-Leben: College-Coaching, Talente vermitteln, vielleicht selbst noch ein Studium. Ein Notausgang, den er hoffentlich nicht braucht.

Davis-Cup-Chef Michael Kohlmann hält die Tür offen: „Dominik hat weiter Top-50-Potenzial.“ Doch Potenzial zählt keine Punkte, solange es auf der Couch statt auf dem Court sitzt.

Mai soll der monat der wahrheit werden

Die Sandplatzsaison rückt näher, Koepfers interne Deadline. „Wir hoffen auf Mai“, sagt er. Kein Wunder: Dann beginnt die europäische Tennis-Sommerreise, die ihm früher wie ein zweites Wohnzimmer vorkam. Heute ist sie eine ungewisse Destination.

Der 31-Jährige weiß, dass jedes Comeback-Versprechen nach hinten losgehen kann. Die Armbremsung in Paris 2024, der US-Open-Dreher gegen Alcaraz – seine Karriere liest sich wie ein Krimi mit zu vielen Cliffhangern. Die Frage ist nicht, ob er den Schmerz erträgt, sondern ob der Körper endlich mitspielt.

Koepfers größter Gegner ist nicht Zverev, Medwedew oder Alcaraz – es ist das eigene Knie. Und bis das Match entschieden ist, bleibt ihm nur eines: „Weitermachen, bis der Schiedsrichter abpfeift.“