Kieler pokal-drama: thw verspielt cl-ticket bei mt-pleite

Der THW Kiel ist draußen. Keine Metapher, kein Spielraum – nach dem 29:30 in Melsungen bleibt nur noch ein fernes Fünkchen Hoffnung auf die Champions League, und selbst das rechnet sich nur mit Taschenrechner und Wunder. Die MT schlug zurück, Veron Nacinovic fiel mit einer Knieblessur aus, und die nächste Saison droht ohne Europapokal-Töne.

Flensburg nutzt die gunst der stunde

Während die Zebras taumeln, schob sich die SG Flensburg-Handewitt zumindest für 24 Stunden auf Rang zwei. 35:31 gegen den Abstiegskandidaten GWD Minden – ein Ergebnis, das die Statistik füttert, aber keine Herzen erhitzen will. Ohne Niclas Kirkelökke und Simon Pytlick wirkte das Team von Maik Machulla wie ein Auto mit Handbremse: vorwärts kommend, aber zäher als gewohnt.

Die GP Joule Arena trotzdem voll: 6.300 Zuschauer, die nach dem Europapokal-Sieg noch einmal durchatmen wollten. GWD kämpfte, ließ zwei Rückstandsdimensionen zwischenzeitlich schmelzen, kassierte am Ende aber die nächste Niederlage. Für Flensburg zählt vor allem die Tabelle – und die Spritreserve vor dem Showdown in Berlin.

Hsv hamburg rettet nicht einmal die stunde der wahrheit

Hsv hamburg rettet nicht einmal die stunde der wahrheit

Zwei Tage zuvor schon die nächste Warnung für alle, die an Fair Play und Tabellenkonstrukt glauben: Der HSV Hamburg verlor 33:34 gegen den Bergischen HC – Tabellen-15. gegen Kellerkind, 14 technische Fehler der Gäste, trotzdem zwei Punkte für die Reise. Hamburg bleibt im Grunde punktlos in der Rückserie, die Sporthalle klang nach der Schlusssirene wie ein aufgeklapptes Buch: 2.942 Fans, die wissen, dass der Abstieg kein Gespenst mehr ist, sondern ein Termin im Kalender.

Die Zahlen sind gnadenlos: Hamburg kassierte die fünfte Niederlage in Serie, der BHC feiert den zweiten Saisonsieg in Folge. Steinhaus (7 Tore) und Beyer (5/2) schossen die Gäste in eine kämpferische Aura, während die Hausherren in der Schlussphase jeden zweiten Ball ins Torkurveninnere bugsieren wollten. Die Konsequenz: zwei Punkte abgegeben, die niemand mehr zurückholen kann.

Der rest der liga jagt spannung, die es kaum noch gibt

Der rest der liga jagt spannung, die es kaum noch gibt

Magdeburg gegen Berlin, Kiel gegen die Realität, Flensburg gegen den eigenen Anspruch – die Tabelle lügt nicht, aber sie verrät auch nicht, wie laut die Stimmen in den Kabinen sind. Nächstes Wochenende treffen die Rückständigen aufeinander: Göppingen gegen Erlangen, Leipzig gegen Eisenach, Gummersbach gegen Hannover – Spiele, die früher Saison genannt werden, heute aber nur noch Notiz in einem Termindickicht sind.

Für den THW Kiel bleibt die Erkenntnis: Wer mit dem Rücken zur Wand steht, braucht mehr als eine starke Parade. Er braucht Punkte. Und die bekommt man nicht mehr in Melsungen, sondern nur noch im Kopf – und in den restlichen sieben Spielen, die plötzlich Endspiele sind. Die Uhr tickt. Die Champions-League-Türen schließen sich. Und draußen wartet bereits die nächste Auswärtsfahrt – diesmal nach Flensburg. Dort wird dann nicht nur ein Derby entschieden, sondern womöglich eine ganze Saison.