Juventus verpasst champions-league-rang – spalletti trotzdem vorerst sicher
Die Uhr zeigt Minute 90+5, Arek Milik zieht mit dem ersten Ballkontakt nach 665 Tagen Verletzungspause ab – und trifft nur die Außennetztasche. Dies eine Szene passt wie ein Puzzlestein in das verrückte Puzzle einer Saison, die die Juventus am Ende der 30. Spieltag-Pause wieder drei Punkte hinter Platz vier und damit erneut außerhalb der Champions-League-Zone zurücklässt.
Comollis sommer-shopping versiegt auf der bank
Sportdirektor Damien Comolli hatte mit David und Openda zwei Prestige-Transfers aus dem französischen Markt geholt. Beide saßen am Samstag gegen Sassuolo zusammen 180 Minuten auf der holzernen Bank, während ein notdürftig aufgetauter Milik und ein noch nicht ganz fitt zurückgekehrter Vlahovic die Angriffsreihe stemmten. Die Rechnung: ein 1-1, das sich wie eine Niederlage anfühlt, weil Locatelli in der 71. Minute den Führungstreffer vom Punkt übers Tor setzte.
Die Transferbilanz liest sich wie ein Krimi ohne Happy End. João Mário wurde für 8,5 Millionen aus Porto geholt, sechs Monate später leihweise an Bologna weiterverschachert. Edon Zhegrova steht bei Statistiken, die normalerweise mit Toren oder Vorlagen gefüllt sind, bei konstantem 0. Nur Jérémie Boga, Leihgabe aus Nizza, traf seit Januar dreimal – und das reicht, um sich im Moment als bester Neuzugang zu profilieren.

Spalletti reduziert rückstand nicht, erhält aber vertrauen
Luciano Spalletti übernahm Ende Oktober eine Juve, die unter Igor Tudor auf Rang fünf und drei Zähler hinter der Königsklasse lauerte. Heute, nach 18 Spielen unter dem ehemaligen Nationalcoach, steht dieselbe Distanz auf dem Monitor: drei Punkte. Die Tabelle lügt nicht, aber die interne Excel-Tabelle der Continassa schon. Dort steht Spallettis Punkteschnitt von 1,86 pro Partie über dem von Tudor (1,76) und auch über dem des entlassenen Thiago Motta (1,79). Das reicht, um das Projekt fortzusetzen.
Der geplante Zweijahresvertrag bis 2028 liegt laut Insidern unterschriftsreif. Keine Frage mehr, ob, sondern nur noch wann. Die Bosse halten an der These fest, dass Spalletti den Spirit zurückgebracht habe, McKennie und Locatelli wieder zu Leistungsträgern formiert habe und Conceicao aus der A-Jugend zum Leih-Bankdrücker geadelt habe. Kurz: Identität vor Punktezuwachs.
Die Realität aber nagt. Seit der 30. Spieltag 2010/11 unter Delneri wartete keine Juve mehr mit nur 54 Zählern an dieser Stelle der Saison auf. Damals landete sie am Ende siebt. Die Zahlen sprechen eine Sprache, die die Kurve nach dem Schlusspfiff gegen Sassuolo in Pfiffe übersetzt.
Spalletti wird wohl bleiben. Ob er die Champions League holt, entscheidet sich in den letzten acht Spielen. Die Uhr tickt. Und Arek Milik hat gerade erst wieder angekommen.
