Ignatavicius vor dem aus: gshc-youngster droht playoff-k.o. nach sperre

Simas Ignatavicius schoss am Sonntag noch das 2:1, am Montag sitzt er in der Katakomben. Die National League hat den 18-jährigen Stürmer von Genève-Servette HC vorsorglich für Spiel 6 gegen Lausanne gesperrt – und das, während seine Mannschaft mit dem Rücken zur Wand steht.

Die szene, die alles auslöste

29. März, 17:42 Uhr. Zweite Drittelpause. Fabian Heldner (EVZ) rührt sich auf der Bank, da zieht Ignatavicius mit dem Skaten durch. Eine kleine Bewegung, fast wie ein Tänzer, der dem Partner die Beine wegreißt – nur dass hier keine Musik spielt, sondern Schiedsrichter Michael Tscherrig auf Video schaut. Der Vorwurf: Slew-Footing, jene raffinierte Falle, bei der man dem Gegner die Füße nach hinten wegzieht und ihn rückwärts aufs Eis fallen lässt. Heldner blieb unverletzt, doch die Bilder reichten, um die Disziplinarkommission auf den Plan zu rufen.

Ignatavicius’ Zahlenblatt liest sich wie ein Märchen: 52 Spiele, sieben Tore, sechs Assists, kein einziger Fehltag. Der litauische Jahrgang 2005 gilt als größte Drafthoffnung der National League seit Roman Josi. Nun droht ihm das abrupte Ende der ersten Playoff-Story.

Warum die sperre jetzt schon wirkt

Warum die sperre jetzt schon wirkt

Die Liga folgt dem Präzedenzfall Toni Rajala. Im Vorjahr wurde der Finne nach einem Slew-Foot gegen Lausanne ebenfalls vorab gesperrt – und später auf zwei Spiele verurteilt. Kopiert die Kommission dieses Urteil, wäre Ignatavicius auch für ein mögliches Spiel 7 in Genf außer Gefecht. Trainer Dave Lewis muss also planen, ohne seinen Top-Rookie, der in dieser Serie bereits zwei Siegtreffer markiert hat.

Die Stimmung in der Cabine ist laut Insidern „gemischt zwischen Wut und Resignation“. Kapitän Noah Rod wetterte nach dem Training: „Wir haben keine Zeit, über Moral zu reden. Wir brauchen zwei Siege, egal wer fehlt.“ Die Worte klingen tapfer, doch die Wahrheit ist hart: Ohne Ignatavicius’ Tempo in der neutralen Zone fehlt dem GSHC ein Ausbruchszünder, der die Lausanner Paarungen zerreißt.

Das spiel, das alles entscheiden könnte

Das spiel, das alles entscheiden könnte

Dienstagabend, 19:30 Uhr, Patinoire de Vernets. Die Genfer liegen 2:3 zurück, die Hallenkapazität ist ausverkauft, die Stadt atmet Eishockey. Lausanne reist mit dem Selbstvertrauen eines Teams an, das in den letzten drei Partien zweimal in Überzahl traf – genau jene Überzahl, die Ignatavicius mit seiner Hinausstellung provoziert hätte. Fehlt er, rückt der 17-jährige Léo Braillard in die zweite Reihe, bisher 17 Minuten Eiszeit in der Serie. Eine Zahl, die die Verhältnisse auf den Punkt bringt.

Die Liga will noch vor Puck-Drop entscheiden. Sollte die Sperre bestätigt werden, wäre es das erste Mal seit 2019, dass ein Schweizer Topprospekt in einem K.o.-Spiel wegen einer Disziplinarmaßnahme pausiert. Ignatavicius selbst schwieg gestern. Stattdessen postete er auf Instagram ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Juniorteam, dazu ein Zitat von Wayne Gretzky: „You miss 100 % of the shots you don’t take.“ Die Ironie: Gerade der nächste Schuss könnte ihm verwehrt bleiben.

Und so steht Genf vor einer Frage der Identität. Kann ein Klub, der sich selbst als „Talenteschmiede der Romandie“ feiert, ohne sein größtes Talent überleben? Die Antwort fallen die Genfer Fans am Dienstag, 20:45 Uhr – wenn entweder die Saison endet oder die Serie in eine letzte, dramatische Runde geht. Ohne Ignatavicius, aber mit der Gewissheit, dass auch der nächste Superstar irgendwann lernen muss: Tore machen berühmt, Disziplin macht Meister.