Mensik schlägt sinner und will in rom nachlegen: der letzte überlebende attackiert die elite
Er war der letzte, der Jannik Sinner stoppte – und das mit 8,5-facher Quote. Jetzt rollt Jakub Mensik auf dem Campo Centrale von Rom den roten Teppich für seine nächste Attacke auf die Top Ten aus. Seit dem 19. Februar in Doha hat niemand mehr den Italiener besiegt, 23 Matches liegt die Serie inzwischen zwischen ihm und der Konkurrenz. Der Tscheche trägt dieses Wissen wie eine geheime Waffe in seinem Racket.
Madrid war die vorschau, rom soll der coup werden
Zwischen den beiden Super-Events kratzte der 20-Jährige an der Belag-Grenze. Auf Hartplatz in der Wüste flog ihm der Aufschlag wie ein Strahl aus der Hand; auf roter Asche in Caja Mágica musste er laufen, schaufeln, verlagern. Dennoch: Gegen den späteren Finalisten Alexander Zverev lag er im dritten Satz mit Break voran, ehe die Großbaustelle „Kondition“ einriss. Die Lehre daraus steht jetzt in seinem Notizbuch: „Beine zuerst, dann erst Schwung.“
Die Zahlen sprechen lauter als jedes Interview. Elf Asse schoss er gegen Sinner, 73 % Punkte hinter dem ersten Aufschlag, zweiter Aufschlag aber nur 42 % – dort liegt sein Ertragsloch. Auf Sand drohen längere Rallyes, also hat Coach Tomáš Krupa zwei Wochen lang nichts anderes gemacht, als Mensiks Kick-Geschwindigkeit zu erhöhen. Ergebnis: 2400 Schläge pro Trainingseinheit, 300 zusätzliche Umdrehungen pro Minute. Die Rotation soll den Ball beim Absprung über die Schulter des Gegners rausziehen, statt in dessen Schlagzone zu plumpsen.

Italiens publikum spielt mit – und gegen ihn
Im Foro Italico wird er keinen einzigen neutralen Applomb ernten. Matteo Berrettini oder Alexei Popyrin – egal, wer das Ticket löst – läuft in die Arena wie ein Gladiator mit Heimrecht. Mensik kennt die Rolle: In Doha war das Stadion nach dem Tiebreak im ersten Satz so still, dass man das Netzgeräusch hörte. Drei Monate später summt ihm dieses Schweigen noch im Ohr, antreibend, fast süchtig machend.
Die Rangliste lügt nicht, aber sie tröstet auch nicht. Platz 27 bedeutet, dass er ab Freitag zwei Matches hintereinander gewinnen muss, um überhaupt in Sichtweite des Favoriten zu bleiben. Dafür braucht er nicht nur die Schläge, sondern auch die Pausen. Die Physiotherapeuten haben ihm eine neue Ernährungsstrategie verordnet: 180 Gramm komplexe Kohlenhydrate zwei Stunden vor dem Match, dazu 400 Milliliter Elektrolyt-Drink mit Magnesium-Quotient 3:1 – ein Cocktail, der Krämpfe in der vierten Runde verhindern soll.
Wenn er am Sonntagabend das Center Court verlässt, kann die Zahl 27 endgültig Geschichte sein. Schafft er das Viertelfinale, rückt er vor die Australier De Minaur und Purcell. Und dann? Dann winkt vielleicht schon ein zweites Duell mit Sinner. Der Italiener müsste zuvor ein paar Landminen entschärfen – doch wer sagt, dass das nicht genauso Teil des Plans ist? Mensik lacht, wenn man ihn danach fragt: „Ich will nicht der Letzte bleiben, der ihn geschlagen hat. Ich will der Nächste sein, der es wieder tut.“
Die rote Asche ist kein Belag, sie ist ein Schachbrett. Und der Tscheche hat seinen Zug bereits im Kopf.
