Kaufmann zittert nach horror-auftritt um world-cup-traum

Annett Kaufmann schrie, rutschte aus, blieb liegen. Sekundenbruchteile, die die 19-Jährige von einer mutigen Hina-Hayata-Herausfordererin zur fraglichen Teilnehmerin machten.

Die U19-Weltmeisterin hatte Japans Superstar in Macau gerade auf 10:10 im dritten Satz gedrückt, da verlor ihr linkes Bein die Haftung. Das Knie knickte weg, ein markerschütterndes Knacken, dann Stille im Coaching-Bereich. Bundestrainerin Tamara Boros: „Sie hat das Match zu Ende gespielt und kann nach intensiver Kühlung wieder gehen, aber im Moment des Geschehens war es sehr schmerzhaft für sie.“

Die gruppenphase wird zum hochgeschwindigkeitsdrama

Die gruppenphase wird zum hochgeschwindigkeitsdrama

Denn beim World Cup zählt jeder Ball. 48 Frauen, nur ein Gruppensieger rutscht ins Achtelfinale. Nach dem 1:3 gegen Hayata wartet am Mittwoch Qin Yuxuan – ein Duell, das Kaufmanns Saison definieren könnte, falls sie antreten darf. Ob das Knie mitmacht, entscheidet sich in den nächsten Stunden. „Sie ist bei Annette Zischka in den besten Händen“, sagt Boros, doch ihre Stimme wird leiser. „Ich bin mir nicht sicher, ob sie morgen spielen kann.“

Die Zahlen sprechen gegen die Uhr. Erst drei deutsche Spieler haben den Pokal je geholt: Roßkopf 1998, Boll 2002 und 2005, Ovtcharov 2017. Kaufmann wollte Geschichte schreiben, stattdessen schreibt das MRT das Protokoll. Das Ice-Pack wechselt alle 20 Minuten, das Knie umklammert eine Bandage, die Hoffnung sitzt auf der Bank.

Die Szene war symptomatisch für ein Turnier, das keine Gnade kennt. Kaufmann hatte Hayata im zweiten und dritten Satz auf Augenhöhe gehalten, Topspin gegen Topspin, Tempo gegen Tempo. Dann rutschte der Boden weg – buchstäblich. „Das hätte ein super Match für sie werden können“, sagt Boros. Stattdessen wird es ein Test der Schmerzgrenze.

Macau schläft nicht. Die Hallenbeleuchtung flackert wie ein EKG, die Ballmaschine wartet auf den nächsten Aufschlag. Kaufmann wird morgen früh wieder aufstehen – mit oder ohne Schläger. Die Weltmeisterin von 2024 spielt nicht mit Schonung, sie spielt mit Schiene. Und wenn das Knie nein sagt, bleibt wenigstens die Erkenntnis: Sie war nah dran, sehr nah. Manchmal reicht ein Millimeter, um Welten auseinanderzubrechen.