Heynemann packt aus: so zerstört der var den fußball

Bayern-Attacken, VAR-Chaos, Schiri-Dreck – Bernd Heynemann zündet im Sport1-Gespräch die nächste Stufe. Der Ex-FIFA-Referee liefert Interna, nennt Hoeneß‘ Show „typisch“ und erklärt, warum Christian Dingert dem Rekordmeister monatelang aus dem Weg gehen wird.

72 Jahre, 151 bundesliga-einsätze, ein statement: „uli hat wieder übertrieben“

Es ist die Szene des Wochenendes: Leverkusen gegen Bayern, zwei Rote, ein VAR-Einsatz, danach donnernde Pressekonferenz. Heynemann sitzt vor dem Laptop, schaltet das Video an und lacht kurz auf. „Das kenne ich seit 30 Jahren. Wenn die Bayern verlieren, sucht jemand den Schuldigen – und der steht mit Pfeife auf dem Rasen.“

Doch diesmal geht es tiefer. Der frühre FIFA-Schiedsrichter glaubt, dass die Münchner Elite gezielt Druck aufbauen. „Sie wollen Signale setzen, nicht nur beim DFB, auch bei den Unparteiischen. Das ist keine Verschwörung, das ist Machtpolitik.“ Seine Stimme wird rauer. „Ich habe 1998 bei der WM gepfiffen, als Uli noch Manager war. Er kam nach dem Spiel in die Kabine und sagte: ‚Bernd, du warst heute schlecht für uns, aber du bleibst trotzdem ein Guter.‘ Das ist seine Art: erst klatschen, dann einläuten.“

Die aktuelle Wut kontert er mit Zahlen. „Bayern kassiert in dieser Saison 1,8 Fouls pro Spiel weniger als der Liga-Durchschnitt. Trotzdem reicht eine 50-50-Szene, um den Apparat zu starten.“ Der Kern sei nicht die Schiedsrichter-Leistung, sondern die VAR-Konstruktion. „Wir haben eine Strafraum-Polizei geschaffen. Der Mann mit der Fernbedienung sitzt im Keller, der Schiri steht unten wie ein Schüler vor dem Lehrer. Verantwortung? Liegt auf der Technik statt auf dem Platz.“

Heynemanns lösung: challenge-modell und toleranzlinie

Heynemanns lösung: challenge-modell und toleranzlinie

Er schlägt ein System vor, das NFL und Tennis schon lange leben: „Gib jedem Trainer zwei Challenges pro Halbzeit. Fordert er eine Szene an und liegt richtig, behält er die Karte. Liegt er falsch, ist sie weg. So verteilst du die Last auf 20 Köpfe statt auf einen verunsicherten Referee.“

Klingt radikal? Für Heynemann nicht. „In England gibt’s die dickere Abseits-Linie, weil sie wissen: Perfektion ist tödlich für den Flow. Bei uns wird jede Zehenspitze gemessen, bis der Zuschauer raus ist.“ Die Konsequenz: „Die Fans buhen nicht mehr die Fehlentscheidung – sie buhen den Bildschirm. Das ist das traurigste Signal.“

Und Dingert? „Der wird bewusst ein paar Monate kein Bayern-Spiel bekommen. Nicht wegen Befehl von oben, sondern aus Selbstschutz. Ich kenne das: Nach dem Bremen-Skandal 2002 habe ich freiwillig zwei Wochen Pause gemacht, um nicht zum Stein des Anstoßes zu werden.“

Am Ende bleibt eine warnende Prognose. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald zwei Stunden pro Spiel. Die Spieler werden zu Schauspielern, weil jede Berührung reviewt wird. Dann schalten die Leute ab – und der Fußball verliert seine Seele.“ Heynemann lehnt sich zurück. „Ich liebe diesen Sport. Aber manchmal muss man ihn retten, indem man aufhört, ihn zu perfektionieren.“