Lilly bietau, 19, rückt im viertelfinale gegen suhl ins scheinwerferlicht
Der VC Wiesbaden fliegt als klarer Außenseiter in die Playoffs, doch genau diese Rolle macht die Geschichte rund um Libera Lilly Bietau so verrückt: Vor drei Monaten spielte sie noch in der 2. Mannschaft, jetzt verteidigt sie gegen die Pokalsiegerinnen aus Suhl den ersten Platz – mit Papa als Analyst, Mama als Lautsprecher und zwei Schwestern im Nacken.
Verletzung öffnet tür für familien-casting
Rene Sain fällt aus – und auf einmal steht die 19-jährige Lilly im Mittelpunkt. „Ich habe mich von Spiel zu Spiel getraut“, sagt sie, während Trainer Benedikt Frank einräumt: „Wir sind völliger Underdog.“ Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache: Suhl holte in der Hauptrunde 42 Punkte, Wiesbaden nur 19. Doch genau diese Diskrepanz entlädt Druck. Frank nennt es „Freikarte nach vorn“.
Die Familie Bietau hat diesen Druck schon einmal verinnerlicht. Vater Frank-Bernd schrieb jahrelang Trainingspläne für VCW-Nachwuchs, Mutter Heike spielte selbst Bundesliga, die ältere Schwester Pauline ist heute Zuspielerin – und das alles im selben Verein. „Wenn wir zu Hause essen, liegt der Ball neben dem Salzstreuer“, sagt Lilly und lacht. Kein Satz klingt nach Klischee, weil jeder Satz stimmt.

Best-of-three-serie beginnt mit lärmgarantie
Am Sonntag, 16.30 Uhr, in Suhls Werk Arena wird es laut. 2.800 Fans, Pokalsieger-T-Shirts, Trommelwirbel. Wiesbaden reist mit 17 Spielerinnen an, darunter sechs Nachwuchstalente. Frank hat nur eine taktische Devise: „Erstens Aufschlagdruck, zweitens Blockkante, drittens Lilly freispielen.“ Die Libera selbst will keine Heldenrolle: „Mein Job ist, dass die Gegnerin denkt, der Ball ist weg – und er trotzdem wieder kommt.“
Die Serie ist ein Mini-Marathon: ein Spiel in Suhl, eins am 25. März in der Wiesbaden-Delkenberghalle, ggf. ein drittes zwei Tage später. Frank rechnet mit 1.200 mitreisenden Fans, die Halle bietet 3.000 Plätze. Tickets gibt es nur noch an der Abendkasse, die Nachfrage übertraf die Erwartung um 40 Prozent. Die Stadt Wiesbaden staffiert zusätzliche Straßenbahnen auf – sonst nur bei Heimspielen der Wehrmacht-Uni.
Für Lilly ist das kein Epilog, sondern ein Prolog. Sie trainiert bereits mit der Nationalmannschaft U20, ihr Sprungwert von 280 cm liegt nur 15 cm unter dem der Suhler Top-Angreiferin Sarah Straube. „Ich brauche keine Rede“, sagt sie vor dem Abflug. „Ich habe meine Familie im Rücken und einen Ball vor der Stirn. Mehr nicht.“
Die Playoffs beginnen mit einem Außenseiter. Aber wer die Bietaus kennt, weiß: Irgendwann wird aus der Außenseiterin eine Innenseiterin. Und wenn es dieses Jahr nicht klappt, flimmert nächstes Jahr dieselbe Geschichte – nur mit mehr Erfahrung und lauterem Jubel der Eltern.
