Paris verweist odermatt in lillehammer mit 0,19 sekunden in die schranken

Klaus Schäfer aus Lillehammer: Dominik Paris ballt die Faust, spuckt Schnee aus dem Helm und brüllt endlich wieder. Beim Saisonfinale der Speed-Könige schießt der Südtiroler mit Startnummer 15 über die steile Kandelaber-Passage, trifft das Line-Feature perfekt und stoppt die Uhr nach 1:34,87 Minuten. 0,19 Sekunden bleiben zwischen ihm und Franjo von Allmen, dem Schweizer Olympiasieger, der sich in der Zielmulde die Maske reisst und wissen will, warum er wieder Zweiter ist.

Der 25. sieg schmeckt nach rache für vier leere monate

Der 25. sieg schmeckt nach rache für vier leere monate

Paris musste sich seit Lake Louise in Geduld üben. 117 Tage ohne Weltcup-Triumph, das hatte er seit 2012 nicht mehr erlebt. Die Bronzemedaille von Peking war Trost, aber kein Ersatz. Jetzt, beim letzten Rennen, kassiert er die Quittung für harte Sommerkilometer auf dem Gletscher und für die Nächte, in denen er den Videos von Kriechmayr und Odermatt die Scheuklappen wegrationalisierte. Vincent Kriechmayr wird Dritter, das Podest sieht wie eine alte Skiprofessoren-Konferenz aus: 36, 28, 32 Jahre.

Die Entscheidung im Gesamtweltcup war längst Odermatts. Trotzdem liefern sich die Norweger ein Finale, das an Weihnachtsquiz erinnert: wer errät, wie viele kleine Kugeln der Schweizer noch einsackt? Nach dem Super-G am Sonntag folgt der Riesenslalom am Dienstag, dann der Slalom am Mittwoch. Odermatt kann vier von fünf Kristallkugeln mit nach St. Moritz nehmen. Fehler im unteren Streckenabschnitt kosten ihn heute Rang sieben, verändern aber nichts an der Makrone in seinem Schrank.

Für Paris zählt nur der Augenblick. Er winkt seiner Frau, die hinter der Bande steht, und reisst sich den Schutzlatz vom Helm. 25 Weltcup-Siege, einer mehr als die Legende Kristian Ghedina. Die Zahl 25 leuchtet auf der Anzeigetafel, während die Italiener-Fans „Domenico“ skandieren und sich die norwegische Polizei wundert, warum plötzlich ein Dutzend Fahnen durch die Abfahrt wirbelt.