Oslo zündet das letzte feuer: nawrath jagt laegreid mit 36 sekunden rückstand
16:15 Uhr, Oslo: Die Loipe brennt. Philipp Nawrath fliegt als erster Deutscher ins Jagdrennen, 36 Sekunden hinter Sturla Holm Laegreid – ein halbes Rad, eine Ewigkeit, eine Chance.
Der kalkulierte ritt nach dem fehlstart
Nawrath blieb am Freitag sauber am Schießstand, zahlte auf den Ski aber Lehrgeld. Rang acht – enttäuschend, aber nicht tödlich. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagte er nach dem Sprint, und man hört den Druck nicht raus. Die Verfolgung über 12,5 km ist sein Terrain: 2019 in Pokljuka jagte er sich von Platz 45 auf 15, heute will er sich ins Licht schießen.
Die Konkurrenz ist klar verteilt. Laegreid startet als Führender, Jacquelin und Perrot lauern drei beziehungsweise fünf Sekunden dahinter. Dahinter bröckelt die deutsche Staffel: Horn (+1:06), Strelow (+1:07), Schaser (+1:40) – für sie wird Oslo zur Schadensbegrenzung. Seidl, Fratzscher und Pfund starten ab Platz 48, für sie zählt nur noch die Ehre.

Warum heute ein sieg drin ist – und warum keiner kommt
Die Loipe in Holmenkollen ist breit, aber sie lügt nicht. Wer hier startet, braucht eine glühende ersten drei Kilometer. Laegreid hat die Pace, Jacquelin die Killer-Instinkt, Perrot die ruhige Hand. Nawrath? Er hat die Erfahrung, vier Jahre Weltcup, zwei Podeste, null Sieg. Die Statistik sprischt gegen ihn, die Form spricht für ihn: In der letzten Verfolgung in Östersund stürmte er von 24 auf 6.
Die deutsche Delegation rechnet nicht mit Edelmetall, aber mit Punkten. „Wir wollen die Top-10 komplettieren“, sagt Bundestrainer Mark Kirchner. Das klingt nach kleiner Ziel, ist aber Realismus. Oslo ist kein Wunder-Wochenende, es ist das letzte Aufbäumen vor dem Saisonende.
17:30 Uhr wird klar sein, ob Nawrath die Lücke schließt oder ob Laegreid wie so oft davonfliegt. Die Zuschauer in Norwegen werden brüllen, die Deutschen am Bildschirm werden hoffen. Und dann? Sonntag folgt der Massenstart, die letzte Kugel, der letzte Atemzug dieses Winters. Wer heute zündet, darf morgen noch einmal träumen. Wer verpasst, packt die Ski ein.
