Pidcock zerstört roglic auf superga: milano-torino geht an briten

Tom Pidcock hat die 107. Milano-Torino mit einem Angriff auf der letzten Rampe der Basilika Superga geklaut. Der 25-Jährige aus Leeds riss Tobias Johannessen und Primoz Roglic mit 5 Sekunden ab – ein Schlag, der am Samstag in Sanremo nachhallen wird.

Die älteste Radklassiker der Welt wurde zur Schachpartie. 174 km zwischen Rho und Turin, aber nur die letzten 600 Meter zählten. Roglic schaltte früh, Johannessen antwortete, Pidcock wartete. Als der Slope 14 % anzeigte, schob er den Hebel durch: 22,4 km/h auf Asphalt, der wie Pergament aussah. Hinter ihm zerriss die Kette.

Pellizzari rettet italienische ehre

Giulio Pellizzari wurde Vierter, 11 Sekunden zurück, trotz 20 Jahre und einem Herzschrittmacher im Wintertrainingslager. Der Mann aus Vicenza fuhr ohne Teamradio, nur mit dem Tritt seines Vaters im Ohr, der an der Straße stand und „Forza, Giulio“ brüllte. Es reichte nicht zum Podest, aber für die Tränen seiner Mutter, die das Band der Superga umklammerte.

Cian Uijtdebroeks und Alexander Cepeda folgten mit 13 und 15 Sekunden Rückstand. Lorenzo Fortunato, der Bergmann aus den Dolomiten, verlor 25 Sekunden – ein Vermächtnis, das er am Poggio wiedergutmachen will.

Milano-sanremo: 298 km, neun mehr als 2025

Milano-sanremo: 298 km, neun mehr als 2025

Samstag, 7:10 Uhr, Pavia. Der Via-Roma-Zielbogen in Sanremo wartet bereits. Die Organisatoren haben die Strecke verlängert, nicht aus Sadismus, sondern aus Tradition: neun Extrakilometer für 150 Jahre Milano-Torino. Mathieu van der Poel verteidigt den Titel, Tadej Pogačar will den Doppelpack nach den Strade Bianche, und Filippo Ganna träumt davon, als Erster seit Nibali 2018 italienischer Sieger zu werden.

Die Cipressa bleibt die Falle, der Poggio die Guillotine. 5,6 km nach dem Gipfel entscheidet sich, wer in die Geschichte eingeht. Wer zuerst tritt, wird nicht gewinnen. Wer zuletzt tritt, vielleicht auch nicht. Es wird derjenige sein, der genau weiß, wann die Lücke zwischen Hoffnung und Verzweiflung nur noch einen Meter misst.

Pidcock hat bereits angekündigt, dass er nicht angreifen wird – bevor er es doch tut. Roglic lachte nur, als man ihn fragte. Und Pellizzari? Der schickte eine Sprachnachricht: „Ich habe nichts zu verlieren, außer dem zweiten Herzschlag.“

Die Via Roma wird wieder zum Boulevard der Träume. Aber die echte Show begann schon auf Superga. Dort, wo ein Brite den Slowenen und den Norweger aus dem Sattel hob, wurde die Saison erst richtig eröffnet.