Lipowitz plant neuen angriff aufs tour-podest: weniger rennen, mehr puste für pogacar
Florian Lipowitz spürt den Countdown. Noch 465 Tage trennen den Schwaben vom Start der Tour de France 2026 in Barcelona, doch der 25-Jährige jagt schon jetzt jede Sekunde. Sein Ziel: das Podest von 2025 wiederholen – diesmal ohne Weißes Trikot, dafür mit Gelbem. Die Methode: weniger Lärm, mehr Zielstrebigkeit.
Das neue programm folgt der lehre des letzten jahres
52 Renntage hatten ihn 2025 in den Schwitzkasten genommen. Paris–Nizza, Dauphiné, Tour, dann war die Luft raum. „Wir haben uns bewusst für einen ruhigeren Ansatz entschieden“, sagt Lipowitz im Gespräch. Die Dauphiné bleibt, doch davor reduziert sich der Kalender aufs Nötige. Zwischen den Blöcken plant er bewusste Lücken – Tage in Seefeld mit Freundin und Familie, statt Hotelzimmer und Medientermine. „Einfach mal abschalten. Das gibt mir die Energie für die intensive Zeit auf dem Rad.“
Die größte Baustelle steckt in den Beinen. Dort, wo Tadej Pogacar spontan 20 Sekunden dem Berg hochprescht, will Lipowitz nachlegen. „Kürzere Efforts besser verkraften“ lautet die Devise. Schwellenleistung sitzt, Spritzigkeit fehlt. Also: Intervallblock auf Teide, dann Sierra Nevada. Mitte Mai verschwindet das Red Bull-Bora-hansgrohe-Kapitel für fast drei Wochen in 2.000 Metern Höhe. Dort wird der Feinschliff gesetzt, nicht auf Twitter.

Evenepoel und er – ein dreamteam auf probe
Erstmals teilt sich Lipowitz das Kommando mit Remco Evenepoel. Die Chemie stimmt, versichert er. „Wir verstehen uns gut auf und neben dem Rad.“ In der Volta a Catalonien geht’s ab Montag um erste Antworten. Lipowitz startet mit Handbremse – eine Erkältung bremste ihn zuletzt. „Ohne konkrete Erwartungen“, sagt er, „aber mit großem Notizblock.“ Ziel ist nicht das Podium in Girona, sondern das gemeinsame Lehrstück für Juli 2026.
Nach Katalonien folgt eine kleine Auszeit, dann Romandie, im Juni die Tour of Slovenia. Alles Staffelten für den 4. Juli. An dem Tag in Barcelona entscheidet sich, ob Lipowitz’ reduzierter Plan aufgeht. Die Strecke passt: acht Bergetappen, fünf Ankunfte oben, 3.333 Kilometer. „Ich kenne jede Sekunde davon“, sagt er. Und er kennt die Konkurrenz. Pogacar, Vingegaard, Evenepoel – und er selbst. Vier Name, drei Podestplätze. Die Rechnung ist simpel: Wer weniger Rennkilometer im Bein hat, vielleicht mehr Luft im Ziel.
