Handball-reform: champions league-quali wird zur lotterie?
Dortmund – Die Handball-Welt steht Kopf: Der Europäische Handballverband (EHF) hat neue Kriterien für die Qualifikation zur Champions League ab der Saison 2026/27 beschlossen. Was auf dem Papier eine Modernisierung erscheinen mag, wirft in der Bundesliga bereits jetzt erhebliche Fragen auf und könnte die etablierten Strukturen auf den Kopf stellen.
Neuer königsweg: titelverteidiger und european-league-sieger im visier
Kern der Reform ist die garantierte Teilnahme des Titelverteidigers und des Siegers der European League – unabhängig von der jeweiligen Platzierung in der nationalen Liga. Ein Schachzug, der zwar die europäische Wettbewerbslandschaft beleben soll, aber gleichzeitig die nationale Wertigkeit des deutschen Spielbetriebs in Frage stellt. Denn was nützt die Meisterschaft, wenn der Titel nicht automatisch den Weg in die Königsklasse freimacht?
Die EHF hat sich hier ein ziemlich kompliziertes System ausgedacht. Sollten sowohl der Champions-League-Sieger als auch der European-League-Gewinner aus demselben Land stammen und sich beide nicht über die Liga qualifiziert haben, erhält nur der Champions-League-Sieger einen Startplatz. Ein Detail, das die Verteilung der Startplätze in den kommenden Jahren deutlich erschweren wird.
Darüber hinaus begrenzt die EHF die Anzahl der Startplätze pro Nationalverband auf drei. Das bedeutet für die Bundesliga: Nur der deutsche Meister hat eine sichere Teilnahme. Die anderen Plätze sind umkämpft und hängen von den Erfolgen in der Champions League und European League ab.

Chaos-potenzial in der bundesliga: wer profitiert, wer verliert?
Die aktuelle Situation in der Bundesliga ist exemplarisch für die potenziellen Probleme. Stellen wir uns vor, SC Magdeburg sichert sich als Meister den ersten Platz, während SG Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin die Ränge zwei und drei belegen. Geht nun Magdeburg die Champions League gewinnen, während Flensburg die European League für sich entscheidet, dann wäre Magdeburg bereits qualifiziert. Flensburg könnte ein Upgrade beantragen, dem die EHF wohl zustimmen würde. Die Füchse Berlin, die in diesem Szenario nur den dritten Platz belegen, würden leer ausgehen - trotz ihrer Leistung in der Liga.
Oder ein anderes Beispiel: Magdeburg holt das Double, Flensburg gewinnt die European League und wird nur Vierter, während Gummersbach Zweiter wird und Berlin Dritter. In diesem Fall wären Magdeburg und Flensburg sicher dabei, Gummersbach könnte ein Upgrade beantragen, während Berlin leer ausgehen würde.
Die endgültige Zusammensetzung der Champions League wird sich erst nach dem Final Four in Köln und den Upgrade-Entscheidungen der EHF zeigen. Die Vereine müssen sich also bis zum Schluss in Atem halten.
Die Reform wirft ein ungewisses Licht auf die Zukunft des deutschen Handballs. Während einige Klubs von den neuen Kriterien profitieren könnten, drohen andere, ihre hart erkämpfte Position in der europäischen Elite zu verlieren. Die kommenden Saisons werden zeigen, ob die EHF mit ihrer Entscheidung die richtige getan hat.
