Chivu jagt das double – pokalfinale rückt näher, calhanoglu kämpft mit der uhr
Mailand – Die Nacht war lang, der Champagner kalt. Doch kaum dass die letzte confetti-Fahne im Meazza-Regen landete, rissen Cristian Chivu und seine Inter-Stars den Blick wieder nach vorn. Am 13. Mai geht’s ins Olimpico – Lazio wartet im Pokalfinale. Das Double, das die Nerazzurri in ihrer Geschichte nur einmal packten, liegt einen Sieg entfernt.
Lautaro hinkt hinterher, calhanoglu jagt jede behandlungsstunde
Der Plan ist klar: keine neuen Blessuren bis Rom. Deshalb wird Lautaro Martínez am Samstag in der Liga-Generprobe gegen dieselben Biancocelesti höchstens von der Bank springen. Die Knie-Reizung ist beherrscht, aber nicht geheilt – das WM-Ticket wartet bereits in Katar, da darf nichts kippen. Schlimmer sieht es bei Hakan Calhanoglu aus. Der Türke spürte beim Abschlusstraining in Turin einen Stich im Wadenkopf, seitdem tickt für ihn eine private Countdown-Uhr. „Ich will diese Nacht“, ließ er am Rande der Siegesfeier verlauten – und meinte nicht die durchgeschwitzte Disco-Session, sondern die 90 Minuten, die ihn von seiner ersten italienischen Pokal-Trophäe trennen.
Physio-Chef Stefano Rapetti setzt auf Kombi-Therapie: Hochdruck-Oxygenierung, Kryo-Kammer, manuelle Lymphdrainage. Die Schwaden, die Calhanoglu bei Instagram aus dem Eisbecken postete, sahen heroisch aus – doch die Mediziner sprechen von „knappem Kandidat“. Kein Einsatztraining vor Mittwoch, dann Entscheidung.

Luis henrique ist fit – und dimarco liefert die vorlagen
Wenigstig eine gute Nachricht: Luis Henrique absolvierte am Sonntag schmerzfreie Sprintserien, die Adduktoren-Blockade ist Geschichte. Der Brasilianer liefert Chivu eine weitere Option auf der rechten Außenbahn, sollte Dumfries wegen Gelb-Sperre oder Ermüdung rausmüssen.
Während die Verletztenliste schrumpft oder wächst, dreht Federico Dimarco weiter sein persönliches Assistenten-Rodeo. Mit 12 Scorerpässen ist er momentan der beste Vorbereiter der Serie A – ein Linksfuß, der Flanken schlägt wie ein Djokovic Aufschlag: präzise, rasant, unhaltbar. Sein Lieblingsspielzug? Die halbhohe Hereingabe zwischen Elfmeterpunkt und Fünfer, wo Lautaro oder Dzeko nur noch den Stiefel hinhalten müssen. Geht er am Samstag erneut auf Torjagd oder spart Chivu ihn für Lazio? „Jede Minute auf dem römischen Rasen zählt“, sagte der Coach, „aber Fitneß geht vor Finanzneuauflage“ – ein Seitenhieb auf die Klubbosse, die jeden Sponsoring-Termin mit maximaler medialer Dauerbrenner-Stars besetzen wollen.
Die Zahlen sprechen für Inter: Keine Niederlage in den letzten 13 Pflichtspielen, nur zwei Gegentore aus Standard-Situationen. Lazio dagegen kassierte in dieser Saison bereits sieben Gegentore nach Eckbällen – ein Einladungsschreiben für Dimarcos Zauberlinks. Aber Cup-Finals haben ihre eigene Schwerkraft. 2018 traf Inter hier auf Juve, verlor trotz klarer Favoritenrolle. Die Erinnerung schmerzt noch.
Chivu will sie auslöschen. „Wir haben 48 Stunden gefeiert, jetzt haben wir neun Tage zu arbeiten“, sagte er am Rande des Abschlusstrainings. Die Spieler sprangen in zwei Gruppen: einen Regenerations- und einen Intensiv-Block. Wer dazwischen steht, entscheidet der Knöchel-Scan von Calhanoglu. Die Uhr tickt. Die Stadt Mailand hält den Atem an. Und 80.000 Laziali planen bereits ihre Choreo – mit einem türkischen Halbmond als gespaltenes Symbol, sollte Calhanoglu fehlen.
In neun Tagen ist nicht nur Pokal, sondern auch Geschichte auf dem Spiel. Das Double wartet – und Inter wird nicht zweimal gefragt.
