Gnabry und wirtz zerstören schweizer wm-feuerprobe – 3:4 in basel
St. Jakob-Park tobte 44 Minuten lang, dann kam die deutsche Realität. Die Schweiz schoss dreimal, traf dreimal – und kassierte trotzdem eine 3:4-Niederlage, weil Florian Wirtz in der 86. Minute den Ball so lässig lobte, als wäre Basel sein persönlicher Garten.
Keine experimente, trotzdem keine punkte
Murat Yakin hatte angekündigt, „kein Testspiel“ zu sehen. Was er bekam, war ein Lehrstück über Effizienz versus Spielkontrolle. Seine Startelf glich bis auf drei Positionen der EM-Sechzehntelfinal-Formation; Remo Freuler agierte als Ballräuber Nummer eins, stahl Gnabry zweimal den Ball und leitete beide Schweizer Treffer der ersten Hälfte ein. Danach? Nichts mehr.
Die Deutschen hatten 71 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, sieben Eckbälle – und vier Tore. Die Zahlen klingen nach Dominanz, riechen aber nach mangelnder Chancenverwertung. Dass es bis zur 90. Minute trotzdem reichte, liegt an Wirtz’ zweitem Sahneschlenzer und an einer Schweizer Offensive, die nach der Pause wie abgestellt war.

Effizienz als trostpflaster
Drei Schüsse, drei Tore – Statistiker schütteln den Kopf, Keeper Gregor Kobel macht trotz vier Gegentoren eine gute Figur. Die analytische Botschaft: Wer so kaltschnäuzig vollstreckt, kann auch in Katar gegen dominante Gegner mithalten. Die praktische Wahrheit: Ohne Ballbesitz wird selbst die beste Quote zum Zufallsprodukt.
Yakin rotierte in der Pause durch, brachte Ardon Jashari für Granit Xhaka und verpasste so die Gelegenheit, die Doppel-Sechser-Automatik Xhaka-Freuler erneut zu testen. Stattdessen rutschte Denis Zakaria auf die rechte Abwehrseite – ein Experiment, das die Defensive erst stabilisierte, bis Wirtz erneut einfach mal halblinks abzog.

Was mitnehmen, was vergessen
Positiv: Breel Embolo bewies nach sieben Monaten Pause Tor-Gefühl, Joel Monteiro markierte mit seinem ersten Nati-Schuss sein erstes Nati-Tor. Negativ: Die Flügelzange Dan Ndoye/Silvan Widmer lieferte in Hälfte zwei keine einzige gefährliche Flanke, und die Bank war nach 60 Minuten leergezogen – ein Warnschuss an den verletzungsbedingt dünnen Kader.
Die nächste Probe folgt bereits am Dienstag gegen Norwegen. Yakin wird aufpassen müssen, dass seine Rotation nicht zur Rotation ins Leere wird. Denn wenn selbst eine 75-prozentige Trefferquote nicht reicht, bleibt nur eins: mehr Spielanteile, mehr Druck, mehr Mut. Sonst wird aus der WM-Träume-Saison schnell ein kurzer Tanz.
