Gelbe karte verschwindet – jablonski lässt ugarte stürzen, tuchel kocht

Ein Freundschaftsspiel, ein deutscher Schiedsrichter, ein uruguayischer Mittelfeldspieler – und am Ende ein Foul an der Wahrheit. Sven Jablonski nahm Manuel Ugarte die zweite Gelbe Karte einfach zurück. England-Coach Thomas Tuchel tobte, die FIFA schwieg, und uruguayische Betreuer tauschten den Spieler lieber aus, bevor der Skandal komplett eskalierte.

Warum die karte plötzlich nicht mehr zählte

81. Minute, Wembley, 1:0 für die Three Lions. Ugarte rempelte Jablonski an, beschwerte sich lautstark – Gelb Nummer zwei. Kurz darauf flatterte die Mitteilung ins Stadion: Die Verwarnung sei „irrtümlich“ vergeben worden, sie gelte stattdessen José María Giménez. Ugarte atmete auf, Tuchel stieß die Luft aus. „Ich habe mit Jablonski nicht gesprochen, ich wollte das auch nicht. Das war keine gute Leistung“, sagte der 52-Jährige und verweigerte dem Referee jede Schuldeingeständnis-Debatte.

Die Statistik lügt nicht: Ugarte stand mit einer Gelben Karte da, im offiziellen Spielbericht standen zwei – nur niemand wusste, welche zählt. Die FIFA bestätigte lediglich, „ein Versehen“ festgestellt zu haben. Mehr war nicht zu holen. Für Jablonski ein Arbeitsunfall, für Uruguay ein Glückstag, für England ein Déjà-vu.

Tuchel sieht rot, weil niemand rot sieht

Tuchel sieht rot, weil niemand rot sieht

Der eigentliche Eklat lag aber woanders. In Minute 38 riss Ronald Araújo Phil Foden mit einer Grätsche um, der Manchester-City-Star musste mit Knöchelproblemen ausgewechselt werden. Jablonski ließ weiterlaufen, die VAR-Zone schwieg. Harry Maguire: „Eine klare Rote Karte.“ Tuchel: „Solche Fouls dürfen nie ohne Rot bleiben.“

Stattdessen gab es Gelb – und am Ende noch einen Elfmeter, der England den Sieg kostete. Der Ausgleich in der 90. Minute fiel nach einem umstrittenen Handspiel von Maguire. „Sehr, sehr schmeichelhaft“, sagte Tuchel und spuckte fast die Silben aus. Die Zahlen dahinter: Drei klare Fehlentscheidungen innerhalb von neun Minuten, zwei davon mit Videobeweis hätte vermeidbar sein können.

Die Three Lions wirkten in weiten Teilen der Partie zahnlos, die Umstellung auf Tuchels 3-2-5 noch unausgegoren. James Garner feierte sein Debüt, konnte aber keinen Kapriolen-Schritt vollenden. Uruguay hätte in der Nachspielzeit sogar noch das 1:2 erzielen können – ein Treffer, der die Lage im Wembley-Kessel endgültig zum Kochen gebracht hätte.

Der folgetag wird ungemütlich

Der folgetag wird ungemütlich

Jablonski reiste direkt nach Bremen zurück, die DFB-Schiedsrichterabteilung kündigte ein „internes Review“ an. Tuchel muss die nächsten Tage mit der Frage verbringen, ob sein System funktioniert oder ob die Lücken in der Abwehr größer sind als gedacht. Die FIFA wird den Vorfall protokollieren, mehr nicht. Eine Sperre für Jablonski ist nicht vorgesehen – zu tief sitzt der Stuhl der internationalen Elitegruppe.

Die Mahnung steht. Vor WM-Turnieren haben Schiedsrichterfehler Tradition: 2006 zeigte Graham Poll Josip Šimunić dreimal Gelb, bevor er ihn endlich des Feldes verwies. Die Folge war ein verändertes Kartenprotokoll, elektronische Überwachung, mehr Druck auf die Unparteiischen. 18 Jahre später passiert dasselbe – nur ohne Konsequenz. Die Lösung ist nicht die Technik, sondern die Konsequenz. Solange die FIFA aber nur „Versehen“ einräumt, wird der nächste Ugarte früher oder später wieder mit zweimal Gelb und ohne Rot auf dem Platz stehen. Dann tobt wieder ein Trainer, und die Fans fragen sich: War das schon alles?