Lugano fegt zsc-serie, doch die arena singt: diese niederlage ist sieg

Die Scheibe war noch nicht im Kasten, da brüllte schon die «Pista» – 0:4-Sweep hin oder her, die Kurve feierte ihren HCL wie nach einem Meister-Titel. Denn diese Viertelfinal-Pleite ist die lauteste Bestätigung: Der HC Lugano ist zurück im Schwitzkasten der National League.

Erinnern Sie sich? Vor zwölf Monaten stand dieselbe Mannschaft im Playout-Finale, ein Schritt vom Abstieg. Heute kassierte sie gegen den Top-Favoriten aus Zürich zwar vier Niederlagen, aber nicht eine einzige Demütigung. Die Bianconeri lieferten jedes Spiel auf Augenhöhe, nur der letzte Pass, der letzte Reflex, das letzte Quentchen Erfahrung fehlte. Tomas Mitell, erst ein Jahr im Tessin, analysiert nüchtern: „Wir spielten phasenweise, als wären wir das bessere Team. Aber die Lions treffen eben immer.“

40 Gegentore weniger – die defensive als dna

Die nackten Zahlen erzählen eine andere Geschichte als ein blutloses 0:4. 2024 kassierte Lugano 213 Treffer, in dieser Saison nur 173. Das ist kein Zufall, sondern Arbeitsnachweis. Janick Steinmann, vor einem Jahr als Notlösung angeheuert, trieb das Projekt „Reset-Knopf“ voran: neues Scouting, neue Datenanalysten, neue Non-Stop-Drillings in der eigenen Zone. Resultat: Rang 5 nach der Qualifikation, 23 Punkte Plus, und ein Torverhältnis, das seit 2021 kein Lugano-Team mehr aufwies.

Die Zürcher dankten es mit einem Lehrstück. Dennis Malgin, Andrighetto, Scherwey – sie schalteten nach jedem Turnover binnen zwei Sekunden um. Lugano hatte Chancen im Überfluss, vergab zweimal in Überzahl, prallte an Goalie van Pottelberghe. Doch wer nun von „Chancenverschwendung“ spricht, erklärt nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet: Das Tempo, das Lugano erzwang, ist bereits Playoff-Niveau. Nur der Gegner war diesmal schneller.

Steinmanns nächster hebel: „wir wollen kein einmaliger frühling“

Steinmanns nächster hebel: „wir wollen kein einmaliger frühling“

In den Katakomben klang Stolz, aber kein Selbstzufriedenheit. Steinmann: „Wir werden ein, zwei erfahrene Kracher holen, die genau wissen, wie man eine Serie dreht.“ Budgetrahmen sind klar, aber die Einnahmen aus fünf Heim-Playoffs plus einem ausverkauften Hallenstadion geben Spielraum. Der Sportchef schielt auf einen Center mit Face-off-Quote>56 % und einen Rechtsverteidiger, der Powerplay-Schlagschatten auch mal versenkt. Interne Optionen wie der 19-jährige Lugano-Stürmer Matteo Vaccaro sollen parallel Tempo bekommen.

Die Fans jedenfalls kaufen längst wieder Hoffnung statt billiger Trostpreise. Vor der Saison lag das Abonnement-Kontingent bei 4 200, nach dem Sweep sind es bereits 5 800 – und der Vorverkauf läuft erst seit drei Tagen. Die Botschaft ist laut: Wer heute die Sinfonie des Untergangs hören will, ist hier falsch. Lugano spielt wieder die Musik der Spitze, auch wenn der letzte Akkord diesmal in ein Gedröhn aus Zürich mündete.

Die Saison endet mit 0:4, beginnt aber mit 5:800 – Tausende neue Tickets, ein neues Selbstverständnis, ein neues Feuer. Und diesmal braucht kein Feuerwehrmann mehr anzurücken. Das Feuer brennt, und es leuchtet hell genug, um die Liga zu warnen: Der HC Lugano ist kein einmaliger Frühling, sondern der erste Tag einer neuen Ära.