Gasperini zerpflückt roma vor dem showdown: dybala raus, malen auf abruf

Keine zwei Minuten dauerte Gian Piero Gasperini’ Pressekonferenz, bis der erste Hammer fiel: Paulo Dybala, seine kreatives Zentrum, ist für den Rest der Saison verloren. „Die Operation war kompliziert, die Reha wird länger dauern als gedacht“, sagte der Coach des AS Roma mit der Stimme eines Mannes, der schon wieder einen Schlag einstecken musste. Am Sonntag um 18 Uhr geht’s nach Genua, doch vor dem Duell mit dem Ex-Kapitän Daniele De Rossi fehlt gerade das, was Gasperinis Taktik am meisten braucht: Magie.

Die lazarus-liste wird länger, nicht kürzer

Gasperini rollt den Blick gen Himmel, als er die nächsten Namen herunterleiert. Mateo Retegui? „Fehlt mindestens bis Ende April.“ Dovbyk? „Seit Monaten außer Gefecht, vielleicht kommt er zurück, wenn die Blätter wieder grün sind.“ Und Sergio Hermoso? „Sonntag fix nicht dabei, nächste Woche vielleicht ein Test, vielleicht auch nicht.“ Die Verletztenliste liest sich wie ein Verdienstkreuz der Verzweiflung: Ferguson, Angelino, Paredes – alle in der Reha, keiner in Reichweite.

Der einzige, der noch halbwegs aufrecht steht, ist Donyell Malen. Doch selbst der Niederländer wird nur noch Stück für Stück eingesetzt. „Wir haben vier Tage zwischen Serie A und Europa League, da ist jede Minute ein Wettlauf gegen die Uhr“, erklärt Gasperini. Die Lösung? „Vaz ist aktuell die erste Option auf seiner Position.“ Ein Satz, der in jedem Fan-Forum sofort für hitzige Debatten sorgt, denn der 20-jährige Flügelstürmer hat gerade mal 67 Minuten Spielzeit in dieser Saison gesammelt.

De rossi wartet mit dem messer zwischen den zähnen

De rossi wartet mit dem messer zwischen den zähnen

Der Gegner ist alles andere ein Wohlfühlprogramm. Seit De Rossi das Ruder übernahm, hat Roma 2,4 Punkte pro Spiel geholt – nur der FC Turin ist in dieser Phase besser. „Daniele kennt jeden Quadratmeter des Olimpico, und er kennt meine Ideen“, sagt Gasperini mit einem schmalen Lächeln. „Wenn du in Rom gut abschneidest, bist du ein Held. Wenn du versagst, bist du Geschichte.“ Seine eigene Bilanz in der Ligahinserie: drei Siege aus den letzten acht Partien. Die Formkurve zeigt nach unten, der Kalender rast nach vorn.

Und dann da hinten: das Europa-League-Achtelfinale gegen Bologna, bereits in elf Tagen. Ein Wettbewerb, der für die Roma die letzte Chance auf internationale Luft ist, droht zur Belastungsprobe zu werden. „Wir können keine Rotation verplanen, wenn wir keine gesunden Spieler haben“, knurrt Gasperini. Die Wahrheit klingt wie ein Schlag in die Magengrube: Je mehr Spiele kommen, desto dünner wird der Kader. Die Saison verläuft wie ein Marathon, bei dem immer wieder jemand die Schuhe verliert.

Am Sonntag um 18 Uhr in Marassi wird deshalb nicht nur ein Spiel entschieden, sondern eine Richtung. Siegen, und die Roma hält Anschluss an die Champions-League-Ränge. Verlieren, und die Saison rutscht in die Ausverkaufsphase. Gasperini wischt sich eine Haarsträhne aus der Stirn, blickt in die Kameras und sagt: „Wir müssen mit dem leben, was wir haben – und das ist gerade nicht viel.“ Eine Feststellung, so klar wie schmerzhaft. Die Tabelle lügt nie, aber sie verrät auch nicht, wie viele Krücken hinter den Punkten stehen.