Ölpreise explodieren – hormuz bleibt pulverfass

90 Dollar für ein Fass Öl? Schon wieder Geschichte. Seit Freitag kostet WTI 92,34 Dollar, Brent 94,80 Dollar – ein Plus von 38 % binnen einer Woche. Die Kasse klingelt nicht, sie schreit.

Der Grund liegt 1 600 Kilometer südöstlich von hier, in der schmalsten Wasserstraße der Welt: dem Straß von Hormuz. Dort passiert täglich ein Fünftel des globalen Ölbedarfs. Dort schlugen in der Nacht zum 28. Februar amerikanische und israelische Marschflugkörper ein. Teheran antwortete mit Raketen und Drohnen auf saudische Raffinerien und kündigte an, „feindliche Schiffe“ zu versenken.

Die Märkte reagierten sofort. Aus 67 Dollar wurde 92, aus 72 Euro Megawattstunde 52 Euro – ein Anstieg von 62 % beim europäischen LNG-Referenzindex TTF. Tankstellen in Deutschland erhöhten Diesel und Super dreimal an einem Wochenende. Wer heute 60 Liter zapft, zahlt gegenüber Januar 146 Euro mehr im Jahr.

Teheran lockert den schraubstock – aber nur für einige

Am Samstagmorgen dann die überraschende Ansage des iranischen Militärsprechers Abolfazl Shekarch: „Wir kontrollieren die Straße, wir schließen sie nicht. Jeder kann durchfahren.“ Klingt entspannt, ist es nicht. Hinter dem Satz steckt ein Klassiker asymmetrischer Kriegsführung: offene Schiene, aber nur für die, die sich ducken. US- und israelische Tanker bleiben legitime Ziele. „Für ihre Sicherheit übernehmen wir keine Verantwortung“, sagte Shekarch und lächelte in die Kameras.

Versicherungsmakler in London rechnen seitdem mit einer Kriegsrisikoprämie von 400 000 Dollar pro Transit – zahlbar vor Ankerlicht. Die Reederei Maersk leitet ihre Megaschiffe bereits über Kapstadt, fügt der Route 3 800 Seemeilen und neun Tage hinzu. Jeder Tag kostet 80 000 Dollar Treibstoffzuschlag. Der Endverbraucher zahlt.

Und der Iran? Der spielt weiter Poker. Im Hafen von Bandar Abbas liegen laut Satellitenbildern 28 zusätzliche Schnellboote bereit – ausgestattet mit Radaranlagen und russischen Antischiffsraketen. Die Drohkulisse ist perfekt, der Preisdruck auch.

Die nächste eskalationsstufe heißt sommer

Die nächste eskalationsstufe heißt sommer

Spekulanten wetten bereits auf 120 Dollar, falls die IAEA bei ihrer nächsten Inspektion Anfang April Uranspuren findet. Die USA haben ein Flugzeugträgerbataillon vor Oman positioniert. China sichert sich über Langzeitverträge iranisches Öl unter der Hand – und bezahlt in Yuan. Die alte Weltordnung löst sich in Echtzeit auf, ein Barrel nach dem anderen.

Für den deutschen Autofahrer heißt das: 2,15 Euro für Super sind keine Spitze, sondern eine Zwischenstation. Wenn Hormuz dicht macht, kratzt die Zapfsäule an 2,50 Euro. Die Rechnung kommt direkt vom Persischen Golf – und sie ist noch längst nicht bezahlt.