Florian kainz wirft den ball hin: „servus“ nach 25 jahren – und ein letztes geschenk für köln

Florian Kainz hat die Uhr angehalten. Nach 25 Jahren Fußball, 202 Pflichtspielen für den 1. FC Köln und einem Europa-League-Debüt mit 17 sagt der Steirer: „Servus.“ Seine Karriere endet mit dem letzten Pfiff dieser Saison – und mit einem Wunsch, der den FC-Fans die Tränen in die Augen treibt.

Der abschied, den sich kainz selbst erträumt

„Ich möchte meinen Weg beim FC in der Bundesliga beenden“, sagt der 33-Jährige in einem am Mittwochabend veröffentlichten Video, das keine 90 Sekunden dauert, aber jede Sekunde schwer wiegt. Die Kamera fährt über sein Arbeitszimmer: Trikots, Schuhe, ein Foto mit dem Sohn. Dann sein Blick, klar und ruhig. „Dafür werde ich bis zum letzten Tag alles geben – das wäre für mich das schönste Geschenk zum Abschied.“

Ein Satz, der im Kölner Umfeld sofort nacherzählt wird. Weil der FC aktuell punktgleich mit Relegationsrang 16 auf dem 14. Platz klebt, ist Kainz’ letzter Einsatz vielleicht schon am 34. Spieltag ein Krimi. Die Elf, in der er zuletzt meist nur noch als Joker auftauchte, könnte ohne seinen Karriere-Knall in die 2. Liga rutschen. Der Mann, der 28 Tore für die Kölner erzielte, soll ihnen jetzt den Klassenerhalt sichern – und sich selbst die goldene Weste der Ewigkeit verpassen.

Von graz nach köln: 519 spiele, ein leben in schwarz-rot

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Kainz debütierte 2008 für Sturm Graz, wurde in Rapid Wien zum Nationalspieler, landete 2016 in Bremen. Doch erst an der Rheinpromenade wurde er zur Figur, die Fans mit Vornamen rufen. Er erlebte Europa-League-Nächte gegen Arsenal, den Abstieg 2021, den Wiederaufstieg 2022, die erneute Luftnummer 2023 – und hielt die Stimmung stets oben. 54-mal trug er die Kapitänsbinde, meistens, wenn die Mannschaft am Boden lag. Seine Standards gaben ihr wieder Auftrieb.

Die Zahlen sprechen Bände, ohne zu prollen: 202 Einsätze, 28 Tore, 37 Vorlagen. Doch die Statistik lügt, wenn man sie ohne Kontext liest. Denn was Kainz lieferte, war keine Excel-Liste, sondern ein Gefühl. Wer im RheinEnergieStadion „Kainziiii“ rief, meinte nicht nur den Linksfuß, sondern die Identifikation. „Vom ersten Tag an zu 100 Prozent FC“, sagt Geschäftsführer Thomas Kessler, der mit ihm einst in derselben Kabine saß. „Er ist nicht nur Kölner geworden – er ist Köln.“

Die letzten wochen: joker mit plan

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Trainer Lukas Kwasniok nutzte ihn in dieser Saison nur elf Mal – meist, wenn es brenzlig wurde. Kainz nahm es ohne Murren an, trainierte härter, schrie lauter. Seine Mission: „Wenn ich reinkomme, soll es einen Unterschied machen.“ Beim 2:2 in Bochum bereitete er das späte Ausgleichstor vor. In Mainz schoss er den Ball ans Lattenkreuz, der anschließend Punktgewinn rettete den FC vor dem Sturz auf Rang 17. Kleine Szenen, große Wirkung.

Nun stehen noch drei Spiele an: Heidenheim, Union Berlin, Bremen. Drei Finals, in denen Kainz’ Knie und Wade noch einmal gebraucht werden. „Ich habe nichts zu verlieren, nur noch etwas zu geben“, sagt er. Und weil er das so offen sagt, glauben ihm die Fans. In den sozialen Netzwerken kursiert schon ein Spruch: „Wenn Kainz uns rettet, bauen wir ihm ein Denkmal vor dem Südkurve-Eingang.“

Ein leben danach: „ich bleibe dem ball treu“

Was danach kommt, weiß Kainz noch nicht. Er schließt eine Funktion im Klub nicht aus, schließt aber auch eine Pause mit seiner Familie ein. „Ich will nicht sofort wieder auf dem Rasen stehen, sondern erst mal auf der Tribüne sitzen – und das Stadion von oben sehen.“ Die Szenarien sind offen, doch eins ist fix: Der Ball wird ihn nie loslassen. „Er ist 25 Jahre mein Leben gewesen, er wird auch danach noch mein Leben sein – nur auf eine andere Art.“

Florian Kainz wird nicht mehr weglaufen, dafür aber weiterlaufen – diesmal ohne Schienbeinschoner. Und wenn der FC am 34. Spieltag gerettet ist, wird er sich wahrscheinlich nicht auf die Hinterreifen werfen, sondern nur kurz in die Kurve blicken. Dann reicht ein Nicken. Kein „Servus“ mehr, sondern ein „Danke“. Die Fans werden es verstehen. Sie haben ihn schon längst zu Ende gefeiert – jetzt feiern sie ihn zu Ende. Und weil sie wissen, dass er bis zum Schluss alles gibt, geben sie bis zum Schluss alles für ihn. Das ist kein Abschied, das ist ein Pakt. Der FC bleibt erstklassig – und Kainz bleibt für immer Kölner. Punkt. Aus. Servus.