Vingegaard schreit in burgund: 178 tage warten vorbei – giro-alarm im mai

Jonas Vingegaard ist zurück. Nach 178 Tagen ohne Sieg jagt er in der Normandie die Angst vor dem Sturz, das Fieber und die Zweifel in die Regenfurchen von Uchon. 41 Sekunden Vorsprung, Gelb am Rücken – und schon jetzt klar: Der Däne will im Mai die Maglia Rosa. Keine Ankündigung, kein PR-Satz, sondern ein Fakt nach 2500 Höhenmetern im Schmuddelwetter.

Der plan war ein anderer – das rennen schrieb seine eigene dramaturgie

Visma-Lease a Bike wollte auf der vorletzten Rampe zuschlagen, doch das Tempo frisst taktische Folien. 70 Kilometer vor dem Ziel peitscht der Wind Regengüsse über die Straßen, die Kleidung bleibt in den Teamwagen, weil kein Meter zum Anziehen bleibt. Vingegaard spürt, dass die Beine brennen, nicht nur vor Kälte. Edoardo Affini räumt die Luft, der Italiener wird zum menschlichen Windschatten, und hinter ihm löst sich das Feld in Schneebällen auf.

Die Steigung nach Uchon zeigt 14 % im letzten Kilometer – ein Betonwürfel, der Hände auf die Oberlenker drückt. Martinez, Van Dijke, Van Dijke – allesamt Red Bull-Bora – schauen nur noch auf das flackernde Rücklicht des Dänen. 1:42 Minuten später schließt Mick Van Dijke ab, die Uhr stoppt, das Gelb wechselt die Schultern.

Ayuso fliegt, der giro rückt näher

Ayuso fliegt, der giro rückt näher

Zwischenzeitlich kracht Juan Ayuso mit 70 km/h auf glitschiges Weiß, die Lidl-Trek-Hoffnung muss mit der Ambulanz ins Krankenhaus. Sein Rennen ist vorbei, die Corsa verliert einen Favoriten – und gewinnt eine neue Story. Denn Vingegaard hat nicht nur die Wetterfront überrollt, sondern auch die letzte Fragezeichen-Saison hinter sich gelassen. Sturz in Spanien, Influenz-Zwangspause, Protest-Cancel in Madrid – alles abgehakt.

52 Sekunden Vorsprung auf Martinez, 3:20 auf Georg Steinhauser – das sind keine Margen, das sind Machtdemonstrationen. Der Däne jagt das Triple: Tour (2022, 2023), Vuelta (2025), und jetzt der Giro. Nur acht Radprofis schafften das – Pogačar steht noch vor der letzten Fehlstelle. Vingegaard könnte Geschichte schreiben, bevor der Slowene nach Villadolid zurückkehrt.

Freitag geht es nach Colombier-le-Vieux, 206 Kilometer, 3,5 % Steigung, ein letztes Auf und Ab vor Nizza. Die Sonne der Côte d’Azur wartet, doch der Däne schielt schon Richtung Alpen. Mailand ruft. Und wer ihn dort stoppen will, muss erst einmal die 178 Tage Wut und Hunger überwinden, die jetzt in seinen Oberschenkeln sitzen.